Brandkatastrophe in der Schweiz: Betroffene Bar seit Jahren nicht kontrolliert

Gemeinderatspräsident Féraud (Mitte), Kollegen Bild: AFP

Brandkatastrophe in der Schweiz: Betroffene Bar seit Jahren nicht kontrolliert

Nach der verheerenden Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana haben die örtlichen Behörden 'Versäumnisse' eingeräumt: Die bei dem Unglück in der Silvesternacht ausgebrannte Bar 'Le Constellation' war seit Jahren nicht mehr kontrolliert worden.

Nach der verheerenden Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana haben die örtlichen Behörden "Versäumnisse" eingeräumt: Die bei dem Unglück in der Silvesternacht ausgebrannte Bar "Le Constellation" war seit Jahren nicht mehr kontrolliert worden, wie Gemeinderatspräsident Nicolas Féraud am Dienstag bei einer Pressekonferenz sagte - "wir bereuen das bitterlich." Bei dem Unglück waren 40 Menschen ums Leben gekommen und 116 weitere verletzt worden.

Laut Gesetz hätte in dem Lokal jedes Jahr eine Brandschutz- und Sicherheitskontrolle stattfinden müssen, sagte Féraud. Die letzte Kontrolle gab es jedoch im Jahr 2019; damals wurden dem Gemeinderat zufolge bestimmte Änderungen angeordnet. In den Jahren von 2020 bis 2025 fanden dann keine Begehungen mehr statt. Warum die Kontrollen versäumt wurden, sei nicht bekannt: "Wir sind zutiefst bestürzt darüber, wir haben heute keine Antwort darauf."

Das Feuer war in der Silvesternacht ausgebrochen, als zahlreiche junge Menschen in der Bar "Le Constellation" ins neue Jahr feierten. 40 Menschen kamen ums Leben, 116 weitere wurden verletzt. Die Hälfte der Todesopfer war minderjährig; das jüngste Todesopfer war erst 14 Jahre alt. Am Montagabend wurden noch 83 Verletzte in Krankenhäusern behandelt, viele davon mit schwersten Verbrennungen.

Den Ermittlungen zufolge wurde die Feuersbrunst in der Keller-Bar offenbar durch auf Sektflaschen aufgesteckte Feuerwerksfontänen ausgelöst, die die Schaumstoffdämmung der Decke in Brand setzten. Gegen die Betreiber des Lokals wird wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung ermittelt.

Die Ermittlungen konzentrieren sich unter anderem auf die Frage, ob die Schaumstoffdämmung an der Kellerdecke den Brandschutzvorschriften entsprach. Ein am Montagabend vom Schweizer Sender RTS veröffentlichtes Video belegt, dass die Gefahr offenbar schon seit Jahren bekannt war: "Passt auf den Schaumstoff auf!" ruft darin ein Kellner, während Menschen in der Silvesternacht 2019/2020 ebenfalls Flaschen mit darauf gesteckten Feuerwerksfontänen hochhalten.

Die Gemeindeverwaltung habe jedoch nie einen Hinweis erhalten, betonte Féraud: "Wir hätten uns gewünscht, dass die Leute uns alarmieren. Wir hätten sofort eingegriffen, wenn wir etwas gewusst hätten."

Einen Rücktritt schloss der Gemeinderatspräsident aus: "Man verlässt ein Schiff nicht inmitten des Sturms", sagte Féraud. Das Unglück werde ihn jedoch für immer verfolgen: "Ich werde die Last und die Trauer all dieser Familien mein Leben lang tragen."

Am Freitag gedenkt die Schweiz mit einem nationalen Trauertag der Toten. Im ganzen Land sollen um 14.00 Uhr die Kirchenglocken läuten, gleichzeitig ist eine Schweigeminute geplant. In Martigny westlich von Crans-Montana findet eine nationale Trauerfeier statt, zu der neben dem Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin auch Gäste aus dem Ausland erwartet werden.