Der Rekord-Frühling und Sonnenfinsternis zeigen: Deutschland ist bestens gerüstet für mehr Erneuerbare Energien, freut sich die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE).
Der Rekord-Frühling und Sonnenfinsternis zeigen: Deutschland ist bestens gerüstet für mehr Erneuerbare Energien, freut sich die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE).
Gleich drei Belastungsproben für die Netze bewältigte das Stromsystem mit Bravour: Nachdem die partielle Sonnenfinsternis am 20. März und der Orkan ,,Niklas" Ende März für große Schwankungen bei der Einspeisung von Ökostrom gesorgt hatten, bescherte das aktuelle sonnige und windreiche Aprilwetter jeweils Rekordwerte bei der Einspeisung von erneuerbarem Strom in Deutschland.
,,Dieser Frühling hat in der Praxis bewiesen, dass wir sehr gut in der Lage sind, mit großen Mengen Erneuerbaren Energien im Stromnetz umzugehen", stellt AEE-Geschäftsführer Philipp Vohrer, fest.
Als die partielle Sonnenfinsternis am Vormittag des 20. März den Himmel über Deutschland verdunkelte, fiel die Leistung der Photovoltaikanlagen ab 9:30 Uhr binnen einer Stunde um etwa 7,5 Gigawatt (GW) ab. In der anschließenden Stunde stieg sie um 11,3 GW an. Eine Größenordnung, welche die übliche Einspeiseleistung aller Atomkraftwerke in Deutschland (etwa 10 GW) deutlich übertrifft. Die deutschen Netzbetreiber waren gewappnet und konnten diese Schwankungen problemlos bewältigen. So zeigen Auswertungen des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik, dass die Wechselspannungsfrequenz im Stromnetz - ein zentraler Indikator für die Netzstabilität - während der gesamten Sonnenfinsternis weit entfernt von kritischen Bereichen lag. Die von den Netzbetreibern vorgehaltene Regelleistung, um nicht vorhergesehene Schwankungen zu kompensieren, wurde ebenfalls nur zu einem Bruchteil in Anspruch genommen.
Auch das Wetter sorgte - zusammen mit der wachsenden Zahl von Wind- und Solarstromanlagen - für neue Rekordwerte. Orkan "Niklas" in Verbindung mit sonnigem Wetter in manchen Teilen Deutschlands hoben am Mittag des 30. März die Stromleistung aus Sonne und Wind auf einen historischen Spitzenwert von 44 GW. Mit Biomasse und Wasserkraft erreichten die Erneuerbaren Energien zusammen etwa 52 GW und stellten damit über 60 Prozent der Stromerzeugung.
Doch auch jenseits extremer Ereignisse erwies sich, dass das Stromsystem mit launischem Wetter gut umgehen kann und genügend Flexibilität bereithält: Am Dienstag den 21. April erreichte die Solarstromproduktion allein einen neuen Rekordwert von 26 GW. Das geht aus Daten des Fraunhofer-Institus für Solare Energiesysteme hervor. Steinkohlekraftwerke reagierten darauf flexibel und reduzierten ihre Leistung von 14 GW in den Morgenstunden auf 8 GW zur Mittagszeit, Gaskraftwerke von 6 auf 4 GW. Die Atomkraftwerke sowie die besonders klimaschädlichen Braunkohlemeiler liefen jedoch quasi ungedrosselt weiter.
Einen wichtigen Beitrag zur Stabilität der Stromnetze leisten inzwischen auch Hunderttausende mittelgroße Solarstromanlagen zwischen 10 und 100 Kilowatt Leistung. Sie wurden in einer bundesweiten Nachrüstaktion ertüchtigt, sich bei größeren Schwankungen der Netzfrequenz (Sollwert: 50 Hertz) gestaffelt vom Netz zu trennen, anstatt wie bisher auf einmal. Die sogenannte 50,2-Hertz-Nachrüstung ist mittlerweile zu 98 Prozent abgeschlossen. (Newspress.de/HS)