Kleine Autos ganz groß

Autos wachsen von Generation zu Generation - wie der Mensch eben auch. Der Golf von heute zum Beispiel hat mehr Platz als der Passat von vorgestern, und ein Polo bietet mehr Bewegungsfreiheit als ein Siebzigerjahre-Golf. Und die neuen Kleinen unterhalb von Polo, Corsa, Clio, Fiesta und Co? Die sind mehr als nur klein und erschwinglich.

Autos wachsen von Generation zu Generation - wie der Mensch eben auch. Der Golf von heute zum Beispiel hat mehr Platz als der Passat von vorgestern, und ein Polo bietet mehr Bewegungsfreiheit als ein Siebzigerjahre-Golf. Und die neuen Kleinen unterhalb von Polo, Corsa, Clio, Fiesta und Co? Die sind mehr als nur klein und erschwinglich und zeigen den Fortschritt besonders deutlich.

Old- und Youngtimer-Eigner schätzen an ihren blechernen Lieblingen ja oft das "ursprüngliche" Fahrgefühl oder das "direkte Spüren der Straße". Das kann in der Tat großen Spaß machen, steht aber ganz nüchtern betrachtet auch für laute Windgeräusche, schaukelige Fahrwerke, hohe Bedienkräfte und brummige Motoren. Um sich am Wochenende mal wieder zu "erden", taugt so ein altes Auto sehr vielen. Für den Alltag aber nehmen es nur wenige.

Denn der Automobilbau hat riesige Fortschritte gemacht. Neue Fertigungsverfahren, neue Materialien und neue Technologien bescheren Autos von heute Komfort, Sicherheit und Temperament auf einem Niveau, das vor wenigen Jahren noch eine oder mehrere Fahrzeugklassen höher keine Selbstverständlichkeit war. Ein Tag mit dem kleinsten Volkswagen, dem unlängst modellgepflegten Up, zeigt das in vielerlei Beziehung. Schon erstaunlich, wieviel Platz sich auf 3,60 Meter Länge unterbringen lässt. Für vier Erwachsene reicht es jedenfalls dicke - und ganz hinten gibt es sogar noch mehr als 200 Liter Kofferraum. Lieferdienste, die sich täglich durch den städtischen Verkehr quälen müssen, finden im neuen Load Up sogar einen Mini genau für sie gebaut: Er kommt serienmäßig ohne Rückbank für 990 Liter Kofferraum, der von hinten und dank vier Türen auch von der Seite perfekt zugänglich ist.

Weiter verbreitet sind natürlich die zivilen Up-Modelle, die eindrucksvoll zeigen, was es mit dem Fortschritt so auf sich hat: Natürlich hört man die kleinen Dreizylinder-Motoren, die nun mit dem 90-PS-Turbo einen besonders quirligen Anführer haben. Doch ihr fröhliches Trommeln klingt nicht angestrengt. Und natürlich sind Wind und Reifen stärker zu hören als in einem Passat - wäre ja auch schlimm, wenn das viel teurere Auto hier nicht besser wäre. Doch im Gegensatz zu früher, als Kleinwagen auf der Autobahn schon eine Qual waren, zeigt sich der Up erstaunlich langstreckentauglich. Bequeme Sitze, kein pfeifender Wind, kein dröhnender Motor, gegen den das Radio erfolglos ankämpfen muss.

Musikhören ist selbst bei Vollgas ohne klingelnde Ohren möglich, weil die gut gedämmten Fahrgeräusche nicht mühsam übertönt werden müssen. Und Musik kann sogar zum Genuss werden, wenn der Käufer dem Charme des VW Up Beat erlegen ist. Ein 300-Watt-Verstärker samt digitalem Soundprozessor und sieben Lautsprecher samt Subwoofer aus der angesagten Sound-Werkstatt des Rappers Dr. Dre bescheren dem Up Beats strahlende Höhen und druckvolle Bässe - ganz gleich, ob die Musik über das neue Audiosystem Composition per Bluetooth vom Smartphone gestreamt wird oder direkt digital empfangen wird.

Da das Smartphone für viele zum Leben gehört wie kaum ein zweites Gerät, kann es natürlich auch im Up eine Hauptrolle spielen. Per VW-App lässt es sich mit dem Fahrzeug verbinden und als Touchscreen-Schnittstelle zur Radio- oder Medienbedienung nutzen. Oder es dient als zusätzliches Anzeigeinstrument für Bordcomputer- und weitere Daten. Ohne Roamingkosten sind natürlich auch Navigationsdienste möglich. 2D- oder 3D-Karten liegen dabei stets gut im Blick, da das Smartphone in einer Halterung oben auf der Armaturentafel thront und derweil geladen wird.

Viel Technologie steckt also in dem kleinen VW. Der zeigt auf bestechende Weise, dass wendige City-Spezialisten seines Kalibers auf dem besten Weg zum kompletten Vollwert-Auto sind. Viele Up-Fahrer sehen in dem kleinen VW sogar genau das und halten ihn deshalb für einen ganz Großen.

Konrad Winterstein