Dekra: Sicherheits-Experten und Saubermänner

Zum 13. Mal in Folge kann Dekra positive Geschäftszahlen verkünden. Wichtigstes Thema für die Zukunft ist für das Unternehmen der Umgang mit der Digitalisierung, hier wird viel Geld fließen. Zentral ist dabei die Transparenz von Daten, vor allem im Automobil-Bereich. Das soll vor allem eines bringen: Sicherheit.


Zum 13. Mal in Folge kann Dekra positive Geschäftszahlen verkünden. Wichtigstes Thema für die Zukunft ist für das Unternehmen der Umgang mit der Digitalisierung, hier wird viel Geld fließen. Zentral ist dabei die Transparenz von Daten, vor allem im Automobil-Bereich. Das soll vor allem eines bringen: Sicherheit.

"Vernetzt oder digital - egal. Hauptsache sicher." So beschreibt Stefan Kölbl, Dekra-Vorstandsvorsitzender, die Zielvorgabe des Unternehmens. Vor allem in den beiden Bereichen "Internet of Things" und "Internet of Vehicle" wird in den kommenden Jahren kräftig investiert. Im laufenden Jahr sind rund 30 Millionen Euro vorgesehen. 150 Millionen sollen in das "globale Netzwerk in Sachen Sicherheit" fließen, um 2025 die Nummer Eins weltweit in Sachen Sicherheit zu sein. Im Automobil-Bereich wie auch bei industriellen Anwendungen, etwa Produktionsanlagen. Es geht darum, den Risikofaktor Mensch zu beherrschen. Besonderes Augenmerk legt Dekra auf das autonome oder automatisierte Fahren. Das dies der richtige Weg ist, schließt die Unternehmensführung um Kölbl aus den positiven Geschäftszahlen des Jahres 2016, die sie bei der Bilanz-Pressekonferenz präsentiert hat.

Das größte Geschäftsfeld "Automotive", zu dem neben der klassischen Hauptuntersuchung auch Homologations-Prüfungen für neue Modelle gehören, hat im Vorjahr 1,5 Milliarden Euro Umsatz erzielt, knapp die Hälfte des Gesamtumsatzes. Insgesamt meldet das Unternehmen 2,9 Milliarden Euro, ein Plus von 6,7 Prozent gegenüber dem vorherigen Geschäftsjahr. Das bereinigte Betriebsergebnis weißt Dekra mit 220 Millionen Euro aus. 39.300 Mitarbeiter sind rund um den Globus beschäftigt.

Zu den Maßnahmen, die sowohl die Automatisierung als auch die Digitalisierung der Fahrzeugtechnik vorantreiben sollen, gehören der Ausbau des Test-Centers Klettwitz am Lausitzring in Brandenburg sowie der Aufbau eines Testfeldes in Malaga (Spanien), wo das vernetzte Fahren im Fokus der Forschung und Erprobung stehen soll. Neben diesen Investitionen, die auf die Mobilität der - nahen - Zukunft gerichtet sind, haben die Anforderungen, die die Gegenwart bringt, bei Dekra einen hohen Stellenwert. Mit 26 Millionen Fahrzeugprüfungen weltweit ist Dekra Marktführer.

Das bringt das Unternehmen in die Position, Forderungen an Politik und Automobilhersteller zu formulieren. Dazu gehört unter anderem der Zugriff auf Herstellerdaten. Das sei in einer Phase, in der Hersteller jederzeit Software auf Fahrzeuge aufspielen und damit die Konfiguration gegenüber dem ursprünglichen Prüfszenario verändern könnten, zwingend notwendig. Ziel ist es daher, ein Netzwerk zum Datenaustausch zu errichten, um nachprüfbare Bedingungen und letztlich sichere Fahrzeuge zu garantieren. Daran schließt sich eine weitere Forderung an: Die Politik müsse die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen und bestehende Regelwerke an den technischen Fortschritt anpassen. "Wir möchten die digitale Welt als unabhängiger Dritter im Blick haben", sagt Kölbl.

Im Blick hat Dekra auch das Thema Abgaswerte und Feinstaub, was nicht nur dem eigenen Geschäftsfeld geschuldet ist, sondern auch dem Firmensitz in Stuttgart, wo ab 2018 Fahrverbote für ältere Dieselmodelle drohen. Derzeit nimmt das Unternehmen Feinstaubmessungen vor, um Vergleichswerte zu Proben zu erhalten, die vor und während einer Straßen-Reinigungsaktion genommen wurden. Clemens Klinke, Technischer Direktor der Dekra-Gruppe und Leiter der Business-Unit "Dekra Automotive" weist darauf hin, dass Feinstaub nicht allein auf das Konto von Fahrzeugen geht. Nur rund 40 Prozent seien darauf zurückzuführen, wobei hier wiederum nur ein Teil durch Verbrennungsmotoren verursacht sei.

Auch die weithin als sauber geltenden Elektrofahrzeuge verursachten Feinstaub, etwa durch Brems- und Reifenabrieb. Dass Diesel-Fahrzeuge, die in der öffentlichen Debatte als Verursacher Nummer Eins gelten, sauber sein können, zeigen beispielsweise moderne Lkw. Euro-6-Diesel in aktuellen Lastwagen seien sauber, so Klinke, wenn alle Abgas-Reinigungssysteme einwandfrei funktionieren. Um auch das zu kontrollieren - auch bei Pkw - möchte das Unternehmen in Zukunft auf alle Daten zugreifen. Sauberkeit und Sicherheit gehören also zusammen.

Mirko Stepan / mid