Wolfgang Tschakert10. März 2020, 15:36 UhrVERKEHR
Die Elektromobilität ist in aller Munde, aber nur bei den Stadtbussen ist ein konkreter Fortschritt festzustellen. Das Angebot elektrischer Busse wächst beständig, einzelne Hersteller verfügen bereits über ein breites Portfolio. Der Motor-Informations-Dienst (mid) gibt eine Übersicht.
Die Elektromobilität ist in aller Munde, aber nur bei den Stadtbussen ist ein konkreter Fortschritt festzustellen. Das Angebot elektrischer Busse wächst beständig, einzelne Hersteller verfügen bereits über ein breites Portfolio. Der Motor-Informations-Dienst (mid) gibt eine Übersicht.
Über Elektrofahrzeuge redet heute jeder. Aber im Gegensatz zur Pkw-Branche registriert man bei den feinstaubgeplagten ÖPNV-Fuhrparks eine stetig wachsende Elektrifizierungswelle und konkrete Pläne. Große Omnibusflotten wie in Hamburg, Paris und Madrid wollen schon ab 2020 keine Dieselbusse mehr kaufen. In den Chor der ganz großen Abnehmer stimmen auch kleinere Betriebe ein, die zuerst mit wenigen Einheiten Elektrobus-Erfahrung sammeln möchten.
Beim Marktführer Mercedes-Benz steht der eCitaro im Mittelpunkt. Vorerst noch als Solo-Fahrzeug, schon bald soll der elektrische Citaro-Gelenkzug das Ebus-Portfolio verstärken. Das eCitaro-Programm basiert auf dem bewährten Stadtbus-Programm, deshalb bleibt es bei der Innenraumgestaltung mit Motorturm im Heck.
Bis zu 292 kWh Batteriekapazität sind möglich, damit kommt ein Solo-Bus 170 Kilometer weit. Antriebsseitig setzen die Daimler-Techniker auf die ZF-Elektroachse AVE 130, deren radnahe Asynchronmotoren mit 22.000 Newtonmeter Drehmoment für mehr als ausreichende Dynamik sorgen.
Der MAN Lion's City E (wie Elektrik) wird noch nicht in Serie gebaut, erste Vorläufer fahren sich aber bereits in Hamburg warm. MAN stimmt die eigene Elektrobus-Entwicklung eng mit der Konzernmutter Traton ab.
Ein elektrischer Zentralmotor mit PSM-Technik (von Scania) treibt die konventionelle Niederflur-Portalachse an, für den Gelenkbus sollen es gar zwei sein. Die Solobusse tragen ihr 3-Tonnen-Batteriepaket mit immerhin 480 kWh Kapazität komplett auf dem Dach. Deshalb kommt der elektrische MAN ohne Motorturm im Heck aus. Übrigens werden lediglich 300 kWh für 200 Kilometer Reichweite nutzbar gemacht, die Batterien aus dem VW-Konzern werden nur zu 60 Prozent leergefahren.
Das Unternehmen Solaris hat heute jeder ÖPNV-Fuhrpark auf der Rechnung. Nicht ohne Grund: Solaris gilt als Europas erste Adresse, wenn es um Elektrobusse geht. Heute liefert Solaris mehr elektrische Busse als die meisten Wettbewerber.
Mit der aufgefrischten Baureihe Urbino ist Solaris sehr breit aufgestellt. Mit allen relevanten Längen bis 24 Meter, der polnische Anbieter kann jeden Bedarfsfall bedienen. Nur bei Solaris hat der Kunde die Wahl zwischen der ZF-Elektroachse oder einen elektrischen Zentralmotorantrieb.
Ein breites Batteriesortiment wird beinahe jeder Anforderung gerecht. Die neuesten High-Energy+-Akkus verfügen über noch mehr Energiedichte und sind mit Batteriekapazitäten bis zu 550 kWh verfügbar. Jetzt kann der Kunde den Urbino sogar mit Brennstoffzellen-Minikraftwerk bestellen. Das Fahrzeug soll mit 37 Kilogramm Wasserstoff mehr als 350 Kilometer weit kommen.
Auch der niederländische Omnibushersteller VDL mischt im deutschen ÖPNV kräftig mit. Er hat ein sehr modernes Elektrobus-Portfolio. Das Untenehmen setzt konsequent auf elektrische Stadtbusantriebe, reine Diesel-Citeas werden in Deutschland nicht mehr verkauft. Dafür Elektro-Citeas in allen Längen, bis hin zum Gelenkbus VDL Citea SLFA 187 mit 18,75 Metern.
Ein Markenzeichen ist das Leichtbaukonzept, das bereits von einigen Herstellern kopiert wird. VDL setzt durchweg auf robuste PSM-Zentralmotoren von Siemens. Bei den Batterien vollziehen die Niederländer auf Druck des Marktes einen Schwenk. Das favorisierte Opportunity-Charging wird mit Depot-Ladern ergänzt, die ihre schnellladefähigen Batterien mit 288 kWh Kapazität im Heck und auf dem Dach tragen.
Der franko-italienische Anbieter Iveco Bus, hierzulande vor allem mit konventionellen Regionalbussen bekannt, wittert mit seinen Elektrobussen neue Chancen. Optisch sehen die französischen Fahrzeuge sehr ansprechend, beinahe futuristisch aus. Der Anbieter setzt dabei auf modulare Antriebe mit BAE-Traktionskomponenten, der PSM-Zentralmotor soll demnächst von Siemens geliefert werden. Die NMC-Batterien mit 350 kWh stammen von Forsee, die GX-Fahrzeuge sind als Depotlader konzipiert.
Einige Stadtbus-Anbieter spielen auf dem deutschen Markt heute nur Nebenrollen. Darunter auch Marken mit klangvollen Namen wie Volvo Bus oder Scania, wie Van Hool - oder Ebusco und Sileo, die sich als neue Player profilieren. Volvo Bus beispielsweise baut und verkauft im Stadtliniengeschäft nur Elektro- und Hybridbusse.
Topaktuell ist der batterieelektrische Gelenkbus 7900 EA, damit verfügen die Westschweden über ein komplettes Ebus-Portfolio mit drei Gefäßgrößen. Jetzt sind bis zu 396 kWh Batteriekapazität möglich, auch an Motorleistung soll es nicht mangeln: Zwei Zentralmotoren mit Zweigang-Getriebe leisten bis zu 400 Kilowatt.
Scania aus Südschweden bringt gerade die Citywide-Baureihe in Stellung. Mit einem PSM-Zentralmotor wie der MAN, die NMC-Batterien stammen aus dem VW-Konzern. Demnächst soll ein Citywide in Stockholm, zwar noch auf einer separaten BRT-Spur, aber weitgehend autonom verkehren.
Auch der belgische Hersteller Van Hool buhlt mit seinen innovativen ExquiCity-Fahrzeugen um Aufmerksamkeit. Die in Tram-Design eingekleideten Gelenk- und Doppelgelenkbusse sind ausnahmslos mit sogenannten Alternativantrieben ausgestattet.
Egal, ob Diesel- oder Gashybrid, ob batterieelektrische Antriebe oder Trolleys - jetzt werden die Trambusse auch mit Brennstoffzellenantrieben bestückt. Ballard-Brennstoffzellen versorgen den Antrieb und laden Lithium-Ionen-Akkus. Der Hersteller spricht von 300 Kilometern Reichweite, die den ganztägigen Einsatz der großen Fahrzeuge gewährleisten.
Zumindest in Deutschland ist auch die Marke Sileo bekannt. Der türkisch-deutsche Hersteller baut ausschließlich Elektrobusse, die bereits in einigen Städten viele Kilometer abgespult haben. Die S-Baureihe ist in drei Längen zu haben. Speziell ihr Innenraum gilt als beispielhaft, selbst das Heck kommt gänzlich ohne Stufen aus.
Sileo setzt auf robuste Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien, ihre Besonderheit ist ein Einzellade- und Überwachungssystem für jede Zelle. Antriebsseitig wird die bekannte ZF-Elektroachse AVE 130 montiert, bei Gelenkbussen dürfen es gar zwei sein.
Spätestens seit die Münchner Verkehrsbetriebe sich mit Ebusco-Fahrzeugen verstärkt haben, ist die niederländische Marke auch in Deutschland im Gespräch. Ihre aktuelle Baureihe 2.2 besteht aus Solo- und Gelenkbus, daneben kann auch ein Low-Enry geliefert werden.
Die Fahrzeugaufbauten stammen aus China, das Fahrzeug wird in den Niederlanden fertig konfektioniert. Der Antrieb mit chinesischen Komponenten, Zentralmotor und Lithium-Eisenphosphat-Batterien, ist vielfach bewährt. Demnächst soll der brandneue Ebusco 3.0 in Deutschland seine Aufwartung machen, zuerst wieder bei der MVG in München und sicher mit großer Aufmerksamkeit begleitet.