Bei Krebspatienten werden Cannabinoide in erster Linie als Teil der Palliativmedizin eingesetzt, um Symptome wie Schmerzen und Übelkeit zu lindern und den Appetit anzuregen.
Die positive Wirkung von Cannabis Öl auf zahlreiche Beschwerden kann die Krankheit und eine belastende Chemotherapie erträglicher machen.
Einige Studien belegen zudem eine antitumorale Wirkweise von Phytocannabinoiden sowie von synthetischen Cannabinoiden. Sie stehen derzeit im Mittelpunkt der aktuellen Forschung.
Die Cannabispflanze
Die Cannabis- oder Hanfpflanze ist eine der ältesten Nutz- und Heilpflanzen. Sie diente als Rohmaterial bei der Herstellung von Seilen, Speise- und ätherischen Ölen und wurde bereits vor mehreren Jahrhunderten zur Behandlung vieler Beschwerden eingesetzt. In der Hanfpflanze wurden 483 verschiedene Inhaltsstoffe identifiziert, darunter befinden sich mindestens 113 Cannabinoide und mehr als 140 Terpenderivate. Die Inhaltsstoffe von Cannabis lassen sich grob in cannabinoide und nicht-cannabinoide Substanzen einteilen.
Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) sind die beiden bedeutendsten Cannabinoide, die in den Blüten und den Blättern der Hanfpflanze vorkommen. Die Substanzen können durch verschiedene Extraktionsverfahren aus Blättern und Blüten gewonnen werden. Das Verhältnis von THC und CBD ist im Extrakt weitgehend identisch mit dem Gehalt in den für den Prozess verwendeten Pflanzenteilen.
THC und CBD
Tetrahydrocannabinol (THC) hat eine berauschende Wirkung. Es ist stimmungssteigernd bis zur Euphorie, führt zu Redseligkeit, verändert die Wahrnehmung von Musik und Farben und kann bei hoher Dosierung Halluzinationen auslösen. Ferner ist bekannt, dass THC den Augeninnendruck senken kann, neuropathische und entzündungsbedingte Schmerzen, sowie Spasmen und Übelkeit lindert.Â
Das ebenfalls enthaltene Cannabidiol (CBD) löst keine Rauschzustände aus, es scheint sogar die psychogene Wirkung von THC zu dämpfen. Bezüglich des Linderns von Schmerzen, Übelkeit und Spasmen hat es eine weitgehend identische Wirkung.
THC und CBD – das ist der Unterschied
Beide Stoffe sind in verschiedenen Konzentrationen in den Blättern und Blüten von Cannabispflanzen vorhanden.
Das berauschend wirkende THC kommt überwiegend als THC-Säure vor. Auch das nicht psychoaktive Cannabinoid CBD ist eine Säure. Die Summenformel C21H30O2 von THC und CBD ist identisch. Chemisch gesehen gibt es nur Unterschiede in der Strukturformel. Trotz dieser Ähnlichkeit kann CBD keine Rauschzustände auslösen und wird bei einem Test auf Drogenkonsum nicht angezeigt. Diese Information ist für Autofahrer wichtig.
Da sich THC und CBD bei dem Extrahieren kaum trennen lassen, kommt es auf die Art der Pflanze an. Wer eine Freizeitdroge herstellen will, verwendet Hanfsorten mit einem hohen THC- und niedrigen CBD-Gehalt. Die psychogene Wirkung ist gewünscht.
Um möglichst reines CBD zu gewinnen, werden Blätter und Blüten von Nutzhanf extrahiert. Dieser enthält nahezu keine THC aber reichlich CBD.
So wirken Cannabinoide in unserem Körper
Cannabinoide spielen eine wichtige Rolle bei der Selbstheilung des Körpers, der Unterdrückung des Schmerzempfindens und dem Lösen von Angstzuständen. Der Körper produziert diese Stoffe unter bestimmten Bedingungen selbst, beispielsweise bei Stress. Die sogennanten Endocannabinoide interagieren mit Cannabinoid-Rezeptoren. Ursprünglich glaubte man, dass Cannabinoid-Rezeptoren nur im Gehirn und in den Nerven existieren, aber inzwischen wurden Rezeptoren im gesamten menschlichen Körper entdeckt.
Über den Cannabinoid-Rezeptor 1 (CNR1) und Cannabinoid-Rezeptor 2 (CNR2) erfolgt die Kommunikation der Körperzellen. Diese Rezeptoren befinden sich an der Oberfläche verschiedener Zellen. Sie empfangen den Botenstoff und leiten die Information in die Zellen, die darauf reagieren.
Die CB1-Rezeptoren befinden sich hauptsächlich im Gehirn (Kleinhirn und Hippocampus) und im peripheren Nervensystem des Körpers. Über sie werden Empfindungen wie Hunger und Lust im Gleichgewicht gehalten.
CB2-Rezeptoren sind überall im Körper zu finden. Sie stehen in Verbindung mit dem Immunsystem und sind an der Linderung von Schmerzen mitbeteiligt. Dies erklärt auch, wieso Cannabis auf Krebszellen wirken kann.
THC und CBD docken wie die im Körper produzierten Endocannabinoide an die Rezeptoren an. Studien legen nahe, dass THC direkt mit den Rezeptoren reagiert, während CBD einen indirekten Kontakt aufnimmt. Das erklärt die positive Wirkung von Cannabis Öl, ohne Rauschzustände auszulösen.
Erwiesene Wirkung von THC und CBD?
Cannabis ist in der Schmerztherapie ein anerkanntes Mittel. Daher übernehmen die Krankenkassen je nach Diagnose die Kosten. Insgesamt gilt die Wirkung von THC und CBD jedoch als nicht erwiesen. Der Grund ist in den hohen Anforderungen an die Studien zu suchen. Eine Wirkung gilt erst nach einer langen Reihe von Tests als erwiesen, unter anderem muss eine Doppelblindstudie erfolgen. Bei dieser bekommen einige Probanden die Substanz, andere dagegen ein Placebo. Weder die den Test begleitenden Personen noch die Teilnehmer an der Studie wissen wer das zu testende Medikament bekommt. Dies wird erst bei der Auswertung berücksichtigt.
Solche Testreihen sind sehr teuer, daher erfolgen so aufwendige Studien in der Regel nur bei Präparaten, auf die ein Hersteller ein Patent erhalten kann. Natürliche Substanzen stellen keine Erfindung da und sind daher nicht patentfähig. Da keine großen Gewinne durch ein patentiertes Arzneimittel zu erwarten sind, bleiben die Studien aus. Ein bekanntes Problem bei allen Naturheilmitteln.
In begrenzten Studien haben sich die positiven Effekte von CBD bei der Therapie von Multipler Sklerose, bei Übelkeit und Erbrechen während einer Chemotherapie sowie bei Appetitlosigkeit von AIDS Erkrankten jedoch gezeigt. Meist bekamen die Testpersonen CBD Öl zur Einnahme verabreicht.
Heilung von Krebs
Weder THC noch CBD haben eine karzinogene (krebsfördernde) Wirkung. Die Krebsgesellschaft weist darauf hin, dass in Zellexperimenten sogar festgestellt wurde, dass Cannabinoide das Wachstum von Tumorzellen gehemmt haben. Dies hat jedoch keinerlei Aussagekraft, ob CBD Krebszellen im menschlichen Körper zerstören kann.
Allerdings gibt es einzeln Berichte, dass sich ein Karzinom nach der CBD Öl Einnahme zurückgebildet hat. Ob dies allein auf die Wirkung von CBD zurückzuführen ist oder ob es sich um sogenannte Spontanheilung handelt, ist unbekannt. Es besteht zumindest die Option, dass CBD einen Prozess im Körper auslöst, der eine Spontanremission in Gang setzt. Solche "Wunderheilungen" sind selten und die genaue Ursache ist bisher unerforscht. Eine neue Studie weist ebenfalls auf die Wirksamkeit von CBD bei Krebs hin.
Krebsstudie am Menschen
Die englische Krebsstudie wurde an 119 Krebs-Patienten, die meisten mit Metastasen, durchgeführt. Sie erhielten pharmazeutisches, synthetisches Cannabidiol mit 1 mg CBD je Tropfen. Die durchschnittliche Dosis betrug 10 mg pro Tag, angepasst an den jeweiligen Status der Erkrankung. Jeder Patient nahm das CBD Öl an drei aufeinander folgenden Tagen, daran schloss sich eine dreitägige Pause an. Dieser Rhythmus wurde über die Anwendungsdauer von mindestens sechs Monate eingehalten. Hier kam synthetisches Öl kam zum Einsatz, um Wechselwirkungen mit anderen Inhaltsstoffen auszuschließen, die in natürlichem CBD Öl enthalten sind.
Bei manchen Patienten kam es zu einem Rückgang der Metastasen, bei anderen verlangsamte sich die Ausbreitung der Krebszellen. Bei einigen Probanden zeigte die Behandlung keinen Erfolg. Unerwünschte Nebenwirkungen konnte bei keinem der Patienten verzeichnet werden.
CBD ist eine mögliche Therapie-Option für Patienten mit Brustkrebs oder Glioblastom. Das Ergebnis der Untersuchung rechtfertig auf jeden Fall weitere Studien.
Nebenwirkungen
Die meisten Studien befassen sich mit der Wirkung von Cannabis oder von cannabisbasierten Medikamenten, also nicht mit dem alleinigen Einsatz von CBD. Experten sehen mögliche Gefahren in einer Abhängigkeit, Schwindelattacken und Müdigkeit. Dies beruht auf der berauschenden Wirkung von THC, das in CBD Öl höchstens in Spuren enthalten sein kann.
Sowohl die Studien zur Wirkung als auch zu den unerwünschten Nebenwirkungen befassen sich mit Cannabis, das neben CBD auch THC und weitere Substanzen enthält. Inwieweit solche Kombinationen von Substanzen sich gegenseitig beeinflussen ist unbekannt. Die Einnahme von reinem CBD Öl kann keine Schwindelgefühle und Rauschzustände auslösen. Lediglich ein starker Cannabiskonsum macht durch THC abhängig. Diese Gefahr besteht bei CBD nicht.
CBD kann in der Leber durch spezielle Enzyme, Cytochrome P450 genannt, verstoffwechselt werden. Da diese auch an der Umwandlung von Arzneimitteln im Körper beteiligt sind, kann es zu Wechselwirkungen kommen. Anders ausgedrückt CBD kann die Wirkung eines vom Arzt verordneten Medikament verstärken oder aufheben. Daher muss der behandelnde Arzt von der CBD Öl Einnahme in Kenntnis gesetzt werden.
Problematisch ist der Einsatz von CBD in Verbindung mit Arzneimitteln, die ebenfalls an den Rezeptor CNR1 und CNR2 andocken. Dies betrifft einige Schmerzmittel und Psychopharmaka.
In der Regel eignet sich CBD, um begleitend eine herkömmliche Krebstherapie zu unterstützen und deren Nebenwirkungen zu lindern. Aus diesem Grund sind oft zusätzliche Schmerzmittel überflüssig.
Fazit
Cannabinoide besitzen ein vielversprechendes therapeutisches Potenzial für die Behandlung einer Vielzahl von Krankheiten, einschließlich Krebs. Cannabinoide waren in der Lage, das Tumorwachstum in verschiedenen Krebsmodellen wirksam zu modulieren, jedoch scheint diese Wirkweise von der Krebsart und der Medikamentendosis abhängig zu sein.
Die Erforschung der Cannabispflanze und ihrer Wirkstoffe kann für die Verbesserung bestehender Medikamente und die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze entscheidend sein.
