Hildesheimer Bischof Wilmer ist neuer Chef von katholischer Bischofskonferenz

Kreuz auf Kirche Bild: AFP

Hildesheimer Bischof Wilmer ist neuer Chef von katholischer Bischofskonferenz

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist zum neuen Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Der 64-Jährige gilt als Unterstützer innerkirchlicher Reformprozesse.

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist zum neuen Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Das gab deren bisheriger Vorsitzender, der Limburger Bischofs Georg Bätzing, nach der Abstimmung bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz am Dienstag im bayerischen Würzburg bekannt. Wilmer ist damit der oberste Repräsentant von fast 20 Millionen Katholiken in Deutschland.

Wilmer sagte nach seiner Wahl, der Glaube sei "eine Quelle von Kraft". Es gehe ihm darum, das Evangelium zu verkünden. Die katholische Kirche habe eine schwere Krise hinter sich, sagte Wilmer mit Blick auf den Missbrauchsskandal. Kirche sei aber für viele Menschen ein wichtiger Anker. "Die katholische Kirche ist attraktiv", sagte Wilmer.

Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz äußerte zum vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine Solidarität mit den Menschen in dem Land. "Wir schauen heute am Jahrestag des russischen Angriffs auf eine Welt, die nach Frieden ruft - im Namen Gottes, dieser Krieg braucht ein Ende, jetzt", appellierte Wilmer. Frieden sei kein ferner Traum. "Wir stehen an der Seite der Menschen in der Ukraine."

Der 64-jährige Wilmer ist seit 2018 Bischof im niedersächsischen Hildesheim. In dem Bistum ist die katholische Kirche in der Diaspora, sie steht also für die Minderheit der Bevölkerung. Damit ist der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz erstmals ein Bischof aus einer Diasporadiözese. Wilmer stammt aus dem Emsland und ging als junger Mann nach dem Abitur ins Kloster, er trat in das Herz-Jesu-Kloster in Freiburg ein. Seine Studien führten den promovierten Theologen auch für mehrere Jahre nach Rom.

Später arbeitete Wilmer als Schulleiter eines katholischen Gymnasiums im Emsland und wurde als Provinzial Chef der Herz-Jesu-Priester in Deutschland, bevor Papst Franziskus den Ordensmann zum Bischof ernannte. Wilmer zählt zu den Unterstützern des innerkirchlichen Reformprozesses synodaler Weg, ist allerdings in seinen Positionen eher zurückhaltend. So äußerte er sich nach seiner Wahl auch vage dazu, wie er die in der katholischen Kirche bisher nicht vorgesehen Weihe von Frauen sieht. "Ich freue mich auf die Überraschungen des Heiligen Geistes."

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz gilt als Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland. Diese ist trotz eines Mitgliederschwunds weiter die stärkste Religionsgemeinschaft in Deutschland, knapp ein Viertel der Bevölkerung sind Katholiken. Er vertritt die Kirche nach außen, ist Ansprechpartner für die Politik und auch erster Ansprechpartner für den Papst. Allerdings muss sich jeder Vorsitzende an die Beschlüsse der Gremien der Bischofskonferenz halten – inhaltliche Alleingänge bei strittigen Themen sind nicht möglich.

In den vergangenen sechs Jahren gab es in der Amtszeit Bätzings wiederholte Kontroversen mit dem Vatikan über den sogenannten synodalen Weg, den Reformprozess der deutschen Kirche. Rom warf unter dem verstorbenen Papst Franziskus der deutschen Kirche zwischenzeitlich Spaltungstendenzen vor. Als eine wichtige Aufgabe des neuen Vorsitzenden gilt, das seit der Wahl von Papst Leo XIV. im vergangenen Jahr bereits entspanntere Verhältnis zum Vatikan weiter zu normalisieren.