ZDF-Chefredakteurin zu Affäre: "Wir sind beschädigt, aber auch klüger"
AFP24. Februar 2026, 18:34 UhrNEWS
Das ZDF will nach der Ausstrahlung von nicht gekennzeichnetem KI-generierten Bildmaterial in seiner Nachrichtensendung 'heute journal' seine internen Abläufe auf Mängel überprüfen. Bei der Abnahme des Beitrags in Mainz 'hätte Alarm schrillen müssen'.
Das ZDF will nach der Ausstrahlung von nicht gekennzeichnetem KI-generierten Bildmaterial in seiner Nachrichtensendung "heute journal" seine internen Abläufe auf Mängel überprüfen. Bei der Abnahme des Beitrags in der Senderzentrale in Mainz "hätte Alarm schrillen müssen, weil erkennbar Material aus dem Netz verwendet wurde", sagte Chefredakteurin Bettina Schausten der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochsausgabe). "Die schauen wir uns im Moment sehr genau an. Das kann auch arbeitsrechtlich noch Konsequenzen haben."
Selbstkritisch bewertete Schausten den Umgang ihres Senders mit der Affäre. In der Kommunikation des ZDF zu dem Fall sei "die Tragweite des Themas spät erkannt" worden, sagte sie. "Wir sind beschädigt, aber auch klüger."Â
Mit der Angelegenheit soll sich am Mittwoch auch das Plenum des Bundestags befassen. Auf Antrag der AfD-Fraktion debattieren die Abgeordneten am Nachmittag in einer Aktuellen Stunde mit dem Titel "Schwerwiegende Fehler bei der Berichterstattung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk".
Die ZDF-Chefredakteurin kündigt als Konsequenz an, interne Prüfprozesse zu intensivieren: "Die Sensibilität muss gesteigert werden", sagte Schausten. Sie sehe aber auch eine Chance darin, "dass wir jetzt noch am Beginn des medialen KI-Zeitalters so einen Wirkungstreffer bekommen haben".
In dem beanstandeten Beitrag  ging es um Abschieberazzien der US-Einwanderungsbehörde ICE. Für den Beitrag der Korrespondentin für das "heute journal" wurde an einer Stelle KI-generiertes Bildmaterial aus dem Internet verwendet, das Kinder zeigt, die sich an ihre Mutter klammern. Eine weitere Szene war nach ZDF-Angaben zwar real, stammte aber aus einem anderen Kontext und aus dem Jahr 2022. Das ZDF berief als Konsequenz die New-York-Korrespondentin Nicola Albrecht mit sofortiger Wirkung ab.
Schausten verteidigte die Abberufung. "Die Entscheidung ist an der Sache orientiert. Es ist ein Verstoß gegen Regeln, und das fordert auch eine Antwort", sagte sie der "Süddeutschen".Â
Hinweise auf eine bewusste Täuschung gebe es nicht, "Nicola Albrecht ist eine erfahrene und angesehene Kollegin und ich unterstelle ihr in keiner Weise irgendeine Fälschungs- oder Manipulationsabsicht", sagte die Chefredakteurin. Unter anderem der frühere langjährige Anchorman des "heute journal", Claus Kleber, hatte die Abberufung kritisiert.