Reservegleise und mehr Puffer im Fahrplan: Vorschläge für pünktlichere Bahn
AFP20. März 2026, 15:22 UhrVERKEHR
Reservegleise für verspätete Züge und mehr Puffer im Fahrplan: Eine vom Bundesverkehrsministerium eingerichtete Arbeitsgruppe hat eine Reihe von Maßnahmen für kurzfristige Verbesserungen der Pünktlichkeit der Deutschen Bahn vorgelegt.
Reservegleise für verspätete Züge und mehr Puffer im Fahrplan: Eine vom Bundesverkehrsministerium eingerichtete Arbeitsgruppe hat eine Reihe von Maßnahmen für kurzfristige Verbesserungen der Pünktlichkeit der Deutschen Bahn vorgelegt. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) lobte das am Donnerstag vorgestellte Maßnahmenpaket als eine gemeinsame Anstrengung der "geballten Expertise des Sektors". Von Verbänden kam grundsätzlich Zuspruch, aber auch die Warnung, dass die Maßnahmen nicht zu einem geringeren Angebot führen dürften.
Die "Taskforce zuverlässige Bahn", der Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Ländern, Behörden, der Bahn und weiteren Eisenbahnverkehrsunternehmen sowie von Verbänden und Gewerkschaften angehören, legte ihren Abschlussbericht mit insgesamt 22 Maßnahmen vor. Mehr Zuverlässigkeit versprechen sich die Branchenvertreter demnach etwa durch sogenannte Joker-Gleise: Bahnsteige an Bahnhöfen sollen künftig im regulären Betrieb freigehalten werden, um auf Störungen besser reagieren zu können.
Zudem soll die im Fahrplan ausgewiesene Abfahrtszeit der Züge gegenüber der betrieblich vorgesehenen Abfahrtzeit systematisch vorgezogen werden, etwa um eine Minute. Das bringe mehr Zeit für die Zugabfertigung. Allgemein sollen der Taskforce zufolge im Fahrplan künftig größere Puffer eingebaut werden. Ein "größerer zeitlicher Abstand zwischen zwei Zugfahrten" würde verhindern, dass selbst kleine Verspätungen eines Zugs die Pünktlichkeit von Folgezügen beeinträchtigen.
Streckensperrungen wegen Menschen und Tieren im Gleis sollen künftig vermieden werden. Statt Gleise komplett zu sperren, sollen die Züge nach Möglichkeit langsamer und auf Sicht fahren. Verbessert werden soll auch die Reisendenkommunikation, etwa mit mehr Personal an den Bahnsteigen, das dafür sorgen soll, dass die Reisenden am richtigen Gleis und an der richtigen Stelle warten. Dies würde den Ein- und Ausstieg beschleunigen und so verspäteten Abfahrten vorbeugen.
Verkehrsminister Schnieder sprach von einem "wichtigen Meilenstein der Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene". Ingo Wortmann, Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), begrüßte, dass "das Bundesverkehrsministerium den Handlungsdruck bei Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit auf der Schiene anerkennt". Die vorgestellten Maßnahmen seien "in Summe nachvollziehbar".
Der ökologische Verkehrsclub (VCD) forderte vor allem eine rasche Umsetzung. "Schon seit langem werden für überlastete Schienenwege sogenannte 'Pläne zur Erhöhung der Schienenwegkapazität' beschlossen, damit Überlastung nicht zur Verspätungsfalle wird", erklärte die VCD-Vorsitzende Christiane Rohleder. "Bisher existieren diese Maßnahmen aber nur auf dem Papier."
"Eine Reduzierung des Zugangebots wäre hingegen der falsche Weg", betonte Rohleder. "Das würde die Situation für Fahrgäste verschlechtern, ohne die Pünktlichkeit zu verbessern. Im Gegenteil: Vollere Züge führen an Bahnhöfen zu zusätzlichen Verzögerungen." Auch VDV-Chef Wortmann warnte vor "kapazitätsmindernden" Schritten. Dies dürfe "nur als vorübergehende Ultima Ratio" in Betracht kommen.
Scharfe Kritik kam von dem Grünen-Bahnexperten Matthias Gastel. "Verkehrsminister Schnieder verwaltet die Ohnmacht bei der Schiene", erklärte er. "Der Bericht der Taskforce Zufriedene Kunden ist zum großen Teil eine Mischung aus Prüfaufträgen, nicht finanzierten Versprechen und einer Menge alter Pläne."