Schneider auf Klimadialog: "Wir müssen einen Schritt zulegen"
AFP21. April 2026, 11:50 UhrBRENNPUNKTE
Zum Auftakt des internationalen Petersberger Klimadialogs in Berlin hat Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) zu größeren Anstrengungen bei Klimaschutz und Energiewende aufgerufen. 'Wir müssen einen Schritt zulegen', sagte er zur Eröffnung.
Zum Auftakt des internationalen Petersberger Klimadialogs in Berlin hat Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) zu größeren Anstrengungen bei Klimaschutz und Energiewende aufgerufen. "Wir müssen einen Schritt zulegen", sagte Schneider am Dienstag in seiner Eröffnungsrede der zweitägigen Beratungen. Der per Video zugeschaltete UN-Generalsekretär António Guterres rief die Industriestaaten nachdrücklich auf, ihre Verpflichtungen bei der internationalen Klimafinanzierung einzuhalten.
Das Festhalten an Öl und Gas bedeute unkalkulierbare Risiken, warnte Schneider mit Blick auf die aktuelle Energiekrise. "Erneuerbare Energien sind Sicherheitsenergien", hob er hingegen hervor. "Sie stärken die Energiesicherheit und die Energiesouveränität. Die damit verbundene Transformation koste Geld, räumte der Minister ein, doch "die Kosten eines Nicht-Handelns wären höher". Nachdrücklich forderte er, weltweit die Elektrifizierung der Wirtschaft voranzutreiben.Â
Am Petersberger Klimadialog nehmen hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus mehr als 30 Staaten teil. Die Beratungen dienen der Vorbereitung der nächsten UN-Klimakonferenz im November im türkischen Antalya, die von der Türkei in Zusammenarbeit mit Australien ausgerichtet wird. Am Mittwoch wird Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Rahmen des High-Level-Segments des Klimadialogs sprechen.
Schneider bekannte sich in seiner Rede auch zum deutschen Beitrag zur internationalen Klimafinanzierung, ohne sich jedoch genauer festzulegen. Die internationale Klimafinanzierung ist durch den Rückzug der USA und Mittelkürzungen auch weiterer Staaten in einer kritischen Lage. Deutschland hat sich zur Zahlung von sechs Milliarden Euro jährlich aus Haushaltsmitteln verpflichtet, jedoch gilt auch dies als ungewiss.
Guterres forderte in seiner Rede ebenfalls die Abkehr von fossilen Energieträgern, die weltweit "die Wirtschaften als Geiseln halten", würden. Erneuerbare Energien hingegen "bieten nachhaltige Energiesicherheit, was fossile niemals können". Guterres rief die Teilnehmenden des Klimadialogs auf, die "richtige Wahl" zu treffen "für Klimasicherheit, Energiesicherheit und eine verlässliche Zukunft".Â
Mit Blick auf die Klimafinanzierung kritisierte der UN-Generalsekretär, dass sich "einige Länder von ihren finanziellen Verpflichtungen zurückziehen". Diese Mittel aber seien für viele Länder des globalen Südens "eine Frage des Überlebens".Â
Der türkische Umweltminister Murat Kurum, der auch designierter Präsident der UN-Klimakonferenz in Antalya ist, warnte ebenfalls vor den "weitreichenden Folgen und Schäden durch die Klimakrise" und auch vor den hohen damit verbundenen Kosten. Zugleich zeige die aktuelle Krise, "dass fossile Brennstoffe keine Energiesicherheit bieten", sagte auch er.Â
Der türkische Minister bekannte sich auch zur globalen Zusammenarbeit im Rahmen der Vereinten Nationen. "Dem Multilateralismus geht es nicht gut", aber in vielen Ländern gebe es noch "den Willen, gemeinsame Lösungen zu finden". Zudem mahnte auch Kurum zur Einhaltung internationaler Finanzverpflichtungen. Die Industriestaaten müssten auf der Konferenz in Antalya zeigen, "dass sie ihren gerechten Beitrag leisten".
Australiens Energie- und Klimaminister Chris Bowen, der als Verhandlungsführer der UN-Klimakonferenz vorgesehen ist, hatte seine Teilnahme am Klimadialog wegen der globalen Energiekrise kurzfristig abgesagt. In einer Videobotschaft mahnte aber auch er zu entschlossenem Handeln für Energiewende und Klimaschutz. "Jetzt ist nicht die Zeit um zu zögern, sondern um mit Entschiedenheit und Ehrgeiz zu handeln", sagte er.
"Der Umstieg auf saubere Energien ist unumkehrbar", sagte der UN-Klimabeauftragte Simon Stiell bei den Beratungen in Berlin. Auch er drang aber auf eine raschere Senkung der Emissionen. Dazu müsse mehr Geld in die Entwicklungsländer fließen, sagte der Leiter der Klimabehörde der Vereinten Nationen (UNFCCC).