Erstes Verfahren zu Missbrauch von Pariser Grundschulkindern
AFP6. Mai 2026, 12:19 UhrNEWS
In einem ersten Verfahren zu sexuellem Missbrauch von Pariser Grundschulkindern in der Nachmittagsbetreuung hat die Staatsanwaltschaft eine 18-monatige Bewährungsstrafe für einen 47-Jährigen gefordert.
In einem ersten Verfahren zu sexuellem Missbrauch von Pariser Grundschulkindern in der Nachmittagsbetreuung hat die Staatsanwaltschaft am Dienstagabend eine 18-monatige Bewährungsstrafe für einen 47-Jährigen gefordert. Der ehemalige Betreuer ist in neun Fällen der sexuellen Belästigung und in drei Fällen sexueller Übergriffe angeklagt. Die Staatsanwaltschaft forderte außerdem ein Kontaktverbot zu den Opfern und ein Verbot einer beruflichen Tätigkeit mit Minderjährigen.Â
Es ist das erste Verfahren seit Bekanntwerden zahlreicher mutmaßlicher Missbrauchsfälle in der von der Stadt organisierten Nachmittagsbetreuung an Grundschulen, die in etwa mit Hort-Angeboten vergleichbar ist.
Das Verfahren findet auf Antrag der Betroffenen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die betroffenen Mädchen waren zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Vergehen jeweils zehn Jahre alt. Der Angeklagte habe eine von ihnen auf den Schoß genommen, eine andere an der Brust berührt. "Ich würde Dich überall küssen, wenn ich könnte", hat er nach der Schilderung eines der Mädchen gesagt. Das Urteil soll am 16. Juni verkündet werden.
In Paris sind seit Beginn des Jahres 78 Mitarbeiter der Nachmittagsbetreuung für Grundschulkinder suspendiert worden, davon 31 wegen des Verdachts auf sexuelle Übergriffe. Die etwa 14.000 Betreuerinnen und Betreuer sind in den meisten Fällen auf Honorarbasis angestellt. Für die Stellen ist keine spezielle Ausbildung erforderlich.
Die Betreuung von Grundschulkindern während der Mittagspause und nach dem Unterricht wird in öffentlichen Schulen zum großen Teil von den Kommunen organisiert. In den vergangenen Monaten wurden in Paris immer mehr Verdachtsfälle bekannt. Viele Betroffene beschwerten sich, dass ihre Warnhinweise nicht ernst genommen worden seien. Die Gewerkschaften rufen zu Streiks vom 11. bis 22. Mai auf.