Trotz Waffenruhe-Verlängerung: Israel greift erneut Ziele im Südlibanon an
AFP17. Mai 2026, 15:32 UhrBRENNPUNKTE
Trotz der Verlängerung der Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon haben Israels Armee und die libanesische Hisbollah-Miliz ihre Angriffe fortgesetzt. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur meldete israelische Luftangriffe im Osten und Süden.
Trotz der Verlängerung der Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon haben Israels Armee und die libanesische Hisbollah-Miliz ihre gegenseitigen Angriffe fortgesetzt. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete am Sonntag israelische Luftangriffe auf die Ortschaft Sohmor in der östlichen Bekaa-Region sowie in den südlichen Regionen Nabatije und Tyros. Die vom Iran finanzierte Hisbollah-Miliz hatte zuvor Drohnenangriffe auf eine Kaserne im Norden Israels bekanntgegeben.
Israel und der Libanon unterhalten keine diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand. Am Freitag hatten sich die beiden Nachbarländer unter US-Vermittlung auf eine Verlängerung ihrer Waffenruhe um 45 Tage geeinigt. Die brüchige Feuerpause gilt bereits seit Mitte April. Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, lehnt sowohl die direkten Gespräche mit Israel als auch die Waffenruhe ab.
Bereits kurz nach der Bekanntgabe ihrer Verlängerung wurden am Freitag mindestens sechs Menschen im Süden des Libanon bei einem israelischen Angriff getötet: In der Ortschaft Haruf traf ein israelischer Angriff ein Zentrum der Hisbollah-nahen Organisation Islamisches Gesundheitskomitee. Zugleich setzte die Hisbollah ihre Drohnenangriffe auf den Norden Israels fort, beschossen wurde unter anderem die grenznahe Stadt Naharija.
Am Samstag griff Israel dann erneut Hisbollah-Ziele im Libanon an. Die Armee gab Angriffe auf Infrastruktur der pro-iranischen Miliz "in mehreren Gebieten im Süden des Libanon" bekannt. Die Nachrichtenagentur NNA meldete israelische Angriffe auf rund 20 Dörfer im Süden des Landes.
Israel meldete am Samstag zudem den Tod eines Soldaten im Süden des Libanon. Seit dem 2. März wurden damit insgesamt 21 Israelis im Libanon getötet - 19 Soldaten und ein Zivilbeschäftigter der Armee. Durch israelische Angriffe wurden nach libanesischen Angaben im selben Zeitraum fast 3000 Menschen getötet.
UN-Generalsekretär António Guterres rief "alle Akteure nachdrücklich auf, die Einstellung der Kampfhandlungen uneingeschränkt zu respektieren".
US-Außenamtssprecher Tommy Pigott hatte am Freitag erklärt, die Gespräche in Washington sollten "dauerhaften Frieden" zwischen Israel und dem Libanon, eine vollständige Anerkennung der Souveränität und territorialen Integrität beider Länder sowie "echte Sicherheit entlang ihrer gemeinsamen Grenze" erreichen. Die Gespräche sollen am 2. und 3. Juni fortgesetzt werden. Schon am 29. Mai will das US-Verteidigungsministerium zudem Militärvertreter aus beiden Ländern zusammenbringen.
Der israelische Botschafter in Washington, Yechiel Leiter, erklärte nach den Gesprächen, die Sicherheit seines Landes müsse garantiert werden. "Es wird Höhen und Tiefen geben, aber das Potenzial für Erfolg ist riesig", sagte er mit Blick auf mögliche künftige Beziehungen zwischen beiden Staaten.
Die libanesische Delegation äußerte die Hoffnung auf "dauerhafte Stabilität" und bezeichnete die Waffenruhe als "entscheidende Atempause" für die Menschen im Libanon. Die Verlängerung der Feuerpause und die Einrichtung eines von den USA unterstützten Sicherheitsmechanismus stärke zudem die staatlichen Institutionen. Regierungschef Nawaf Salam warf der Hisbollah vor, den Libanon in einen neuen "unverantwortlichen" Krieg hineingezogen zu haben.
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei feuerte die Hisbollah Raketen auf Israel ab. Israel flog daraufhin massive Angriffe auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze. Nach Inkrafttreten der Waffenruhe warfen sich Israel und die Hisbollah gegenseitig Verstöße gegen das Abkommen vor.
Der Hisbollah-Abgeordnete Hussein Hadsch Hassan erklärte am Sonntag, die direkten Verhandlungen mit Israel hätten den Libanon "in eine Sackgasse getrieben". Die libanesische Regierung habe "das Land in eine sehr schwere Krisen gestürzt", da sie nicht umsetzen könne, was Israel wolle - "insbesondere, was die Entwaffnung der Hisbollah betrifft".
ÜBERSICHT, USA, Israel, Libanon, Iran, Konflikte, Diplomatie