Rio-Paris-Absturz: Air France und Airbus wegen fahrlässiger Tötung verurteilt
AFP21. Mai 2026, 17:38 UhrBRENNPUNKTE
Knapp 17 Jahre nach einem Absturz zwischen Rio de Janeiro und Paris mit 228 Toten hat ein französisches Gericht Air France und Airbus im Berufungsverfahren der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen. Es verhängte die Höchststrafe von 225.000 Euro.
Knapp 17 Jahre nach einem Flugzeugabsturz zwischen Rio de Janeiro und Paris mit 228 Toten hat ein französisches Gericht Air France und Airbus im Berufungsverfahren der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen. Die Unternehmen seien "alleine und komplett verantwortlich", erklärten die Richter am Donnerstag in Paris. Das Gericht verurteilte die Unternehmen zur Höchststrafe von 225.000 Euro. In der ersten Instanz waren beide Unternehmen 2023 freigesprochen worden.
Bei dem schlimmsten Unfall einer französischen Fluggesellschaft waren auch 28 Deutsche ums Leben gekommen. Die Maschine vom Typ A330-203 war in der Nacht zum 1. Juni 2009 über dem Atlantik abgestürzt. Dabei kamen alle 216 Passagiere und die zwölfköpfige Crew ums Leben. Das Flugzeugwrack und die Flugschreiber wurden erst zwei Jahre später in knapp 4000 Metern Tiefe gefunden.
"Der Unfall des Flugs AF447 war eine Katastrophe mit Ansage, die hätte verhindert werden können", hieß es in der Urteilsbegründung. Airbus kündigte umgehend an, Rechtsmittel einzulegen. Air France äußerte sich zunächst nicht.Â
Die Vorsitzende des Opferverbands, Danièle Lamy, zeigte sich erleichtert. "Diese renommierten Unternehmen können sich nicht länger hinter ihrer Selbstgefälligkeit und ihrem technologischen Stolz verstecken", sagte er.
Die Geldstrafe für die Unternehmen ist vergleichsweise niedrig. Der Imageschaden dürfte hingegen beträchtlich sein. Die Staatsanwaltschaft hatte in erster Instanz den Freispruch beantragt, im Laufe des Berufungsverfahrens aber ihre Einschätzung geändert.
Die Unternehmen hätten ihre Argumente "aus dem Ärmel gezogen", hatte die Staatsanwaltschaft im Plädoyer kritisiert. Die Fehler der Unternehmen seien "eindeutig" gewesen und hätten "mit Sicherheit zum Absturz geführt".
"Diese Verurteilung wird ein Makel für die Unternehmen bedeuten - und soll zugleich eine Warnung sein", hatte Staatsanwalt Rodolphe Juy-Birmann betont.
Das Gericht erklärte Airbus für schuldig, weil das Unternehmen technische Probleme mit den sogenannten Pitot-Sonden unterschätzt und die betroffenen Fluggesellschaften nicht informiert hatte. Air France hingegen wurde schuldig gesprochen, weil die Fluggesellschaft nach Ansicht des Gerichts ihre Piloten nicht ausreichend auf mögliche Probleme vorbereitet hatte.Â
Beide Unternehmen hatten während des Berufungsprozesses ihre Unschuld beteuert und angebliche Pilotenfehler angeführt. Die Richter ließen dies nicht gelten. "Die Piloten des Flugs AF447 haben alles getan, was sie konnten. Ihnen ist nichts vorzuwerfen", sagte die Vorsitzende Richterin.Â
Bei dem Todesflug waren die Pitot-Sonden vereist, was das Abschalten des Autopiloten zur Folge hatte und Alarm auslöste. Die mit der Situation überforderten Piloten steuerten das Flugzeug daraufhin steil nach oben. Weniger als fünf Minuten später stürzte die Maschine in den Atlantik.
Die umstrittenen Sonden hatten schon zuvor zu Problemen geführt und wurden  anschließend bei allen Modellen ausgetauscht. Das Flugpersonal von Air France wird seit dem Unglück auch besser für Notsituationen geschult.
In erster Instanz hatten die Richter geurteilt, dass beide Unternehmen Fehler begangen hätten. Die Richter waren damals jedoch überzeugt, dass sich kein ursächlicher Zusammenhang mit dem Absturz belegen lasse.