Tag der Frauengesundheit: Warken will mehr Fokus auf Geschlechterunterschiede

Stethoskop und Blutdruckmesser in Arztpraxis Bild: AFP

Tag der Frauengesundheit: Warken will mehr Fokus auf Geschlechterunterschiede

Zum Internationalen Tag der Frauengesundheit am Donnerstag hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) einen stärkeren Fokus auf das Thema gefordert. Mehr geschlechtersensible Medizin fordern auch die Krankenkassen.

Zum Internationalen Tag der Frauengesundheit am Donnerstag hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) einen stärkeren Fokus auf die medizinischen Belange von Frauen gefordert. Geschlechterspezifische Unterschiede in der Medizin müssten stärker beachtet werden, sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Viel zu lange wurde einfach ignoriert, dass Frauen andere gesundheitliche Bedürfnisse, Beschwerden und Symptome haben als Männer." Mehr geschlechtersensible Medizin fordern auch die Krankenkassen.

Zwar gebe es eine zunehmende Sensibilität für das Thema Frauengesundheit und die Bereitschaft für Veränderungen, sagte Warken. Bis sich Lehrpläne, Fortbildungen und Forschungsergebnisse jedoch spürbar auf die Versorgung auswirkten, werde es noch dauern. "Nicht damit anzufangen, ist aber keine Option mehr", fügte die Ministerin hinzu. Frauen verdienten "eine medizinische Gesundheitsversorgung, die ihr Geschlecht besser berücksichtigt".

Am Tag der Frauengesundheit soll jährlich auf gesundheitliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern aufmerksam gemacht werden. Ein Problem ist, dass viele Krankheiten und Medikamente überwiegend an männlichen Patienten erforscht wurden. Dadurch werden nach Angaben von Experten Beschwerden bei Frauen häufig später erkannt oder auch falsch behandelt - zum Beispiel durch eine für Frauen nicht passende Dosierung der Arzneien.

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) wies darauf hin, dass die Stärkung der Frauengesundheit ein Schwerpunkt der Forschungsförderung ihres Hauses sei - "und für mich eine Herzensangelegenheit". Bär betonte: "Frauengesundheit und geschlechtersensible Medizin sind keine Nischenthemen, sie gehen uns alle an." Es gehe dabei um Verhütungsmittelforschung, Reproduktionsmedizin und geschlechtersensible Medizin.

Auch Ärztinnen und Ärzte wünschen sich eine stärkere Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Aspekte in medizinischen Leitlinien. Dies sagten in einer repräsentativen Forsa-Umfrage für den AOK-Bundesverband 87 Prozent der befragten Mediziner.

Geschlecherspezifische Inhalte spielen demnach in der Medizin bislang nur eine unzureichende Rolle. So gaben insgesamt 32 Prozent aller befragten Ärztinnen und Ärzte an, dass während des Medizin-Studiums "gar keine" Inhalte dazu vermittelt worden seien. Zudem besuchte mit 67 Prozent eine deutliche Mehrheit noch nie eine Fortbildung zur unterschiedlichen Behandlung von Männern und Frauen.

"Frauengesundheit gerät zwar immer stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit", erklärte dazu die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann. "Aber um diese wirklich systematisch zu stärken, braucht es eine konsequente Verankerung von geschlechtsspezifischen Aspekten in Forschung, Lehre und Versorgung." 

Einen stärkeren Fokus der Medizin auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede fordert auch die BKK Krankenkasse. Eine Medizin, die das Geschlecht ignoriert, sei keine gute Medizin, betonte die Vorständin des BKK-Dachverbands, Anne-Kathrin Klemm. "Das Geschlecht beeinflusst die Entstehung, Diagnose und Behandlung sehr vieler Erkrankungen." Notwendig sei deshalb eine geschlechtersensible Prävention und Versorgung.