Stromausfall in Reutlingen: Ermittler vermuten Brandstiftung

Einsatzfahrzeug mit Blaulicht Bild: AFP

Stromausfall in Reutlingen: Ermittler vermuten Brandstiftung

Nach dem großflächigen Stromausfall in Reutlingen vermuten die Ermittler Brandstiftung als Ursache. Der Verdacht laute auf 'vorsätzliche Brandlegung und Störung öffentlicher Betriebe', sagte der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU).

Nach dem großflächigen Stromausfall im schwäbischen Reutlingen vermuten die Ermittler Brandstiftung als Ursache. Der Verdacht laute auf "vorsätzliche Brandlegung und Störung öffentlicher Betriebe", sagte der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) am Montagabend in Reutlingen. Der Staatsschutz und das Antiterrorzentrum des Landeskriminalamts hätten die Ermittlungen übernommen. Ermittelt wird nach Angaben der Behörden derzeit gegen unbekannt.

"Wir werden die Täter mit aller Härte zur Rechenschaft ziehen", sagte Hagel weiter. Für eine endgültige Bewertung sei es aber noch zu früh, betonte der Innenminister. Es werde "ergebnisoffen in alle Richtungen ermittelt". Dabei werde auch geklärt, ob wirklich "ein Brandanschlag hier vorliegt oder gar ein terroristischer Akt", sagte Hagel. "Unsere Ermittlungsgruppe wird jeden einzelnen Stein umdrehen."

In einer gemeinsamen Mitteilung des Landeskriminalamts Baden-Württemberg und der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart hieß es, ermittelt werde derzeit gegen unbekannt wegen des Verdachts der vorsätzlichen Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe. Hinweise zu möglichen Tatverdächtigen oder Motiven lägen aktuell noch nicht vor. An den Ermittlungen der Spurensicherung sei neben Sachverständigen auch ein Brandmittel-Spürhund beteiligt.

Ein Sprecher des LKA sagte auf Anfrage von AFP, es zeichne sich ab, "dass es eine Brandlegung war, womöglich unter Zuhilfenahme eines Brandbeschleunigers". Die entsprechenden Untersuchungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

In der Nacht zu Montag hatte es in zwei Umspannwerken in der Stadt am Fuße der Schwäbischen Alb Brände gegeben; rund 7600 Haushalte waren zunächst ohne Strom. Neben der 120.000-Einwohner-Stadt Reutlingen waren auch Teile der benachbarten Gemeinden Wannweil und Kirchentellinsfurt davon betroffen.

Die Polizei Reutlingen werde im Bereich der wichtigen Infrastruktur "verstärkte Präsenzmaßnahmen" ergreifen, sagte Hagel. In den Gebieten ohne Strom werde in der Nacht eine Einsatzhundertschaft unterwegs sein, damit sich die Menschen sicher fühlen könnten.

Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck (SPD) verwies darauf, dass durch den Stromausfall auch das Krankenhaus der Stadt zeitweise betroffen gewesen sei. Es sei "hier wirklich radikal ans Leben anderer Menschen" gegangen - "und das ist unverzeihlich", sagte Keck. Er fügte hinzu: "Wir müssen uns verteidigen - wir wissen noch nicht, gegen wen." Es sei nun "gerechtfertigt, hier wirklich alles zum Einsatz zu bringen, um die Urheber zu ermitteln und ihrer gerechten Strafe zuzuführen".

Die Klinik konnte sich nach dem nächtlichen Stromausfall mit einer Notstromversorgung behelfen. Nach Angaben der Stadt konnte das Umspannwerk Mitte seinen Betrieb nach mehreren Stunden wieder aufnehmen, weshalb die Innenstadt und damit auch das Krankenhaus wieder mit Strom versorgt wurden.

Dirk Güsewell vom Energieversorger EnBW sagte in Reutlingen, "dass heute im Laufe des Tages sukzessive Verbraucherinnen und Verbraucher wieder zugeschaltet werden konnten". Dies sei eine "gute Nachricht". Güsewell wollte sich aber nicht darauf festlegen, wie lange es dauere, bis alle Betroffenen wieder mit Strom versorgt würden. Die Reparaturteams arbeiteten unter Hochdruck, um die Folgeschäden so rasch wie möglich zu beseitigen.

In Berlin waren Anfang Januar durch einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke vorübergehend 45.000 Haushalte und 2200 Gewerbeeinheiten ohne Strom gewesen. Zu der Tat bekannte sich die linksextremistische Vulkangruppe.