"Eine neue Art der Astronomie": Physik-Nobelpreis geht an Belgier Francis Halzen
AFP6. Oktober 2026, 15:32 UhrWISSENSCHAFT
Für die Entwicklung einer Methode, mit der Forscher winzige Teilchen aus den Tiefen des Alls in Südpolar-Eis einfangen können, erhält der belgische Astrophysiker Francis Halzen den diesjährigen Physik-Nobelpreis.
Für die Entwicklung einer Methode, mit der Forscher winzige Teilchen aus den Tiefen des Alls in Südpolar-Eis einfangen können, erhält der belgische Astrophysiker Francis Halzen den diesjährigen Physik-Nobelpreis. Der in den USA forschende Wissenschaftler wird für seine "entscheidenden Beiträge" zum IceCube-Neutrino-Observatorium in der Antarktis sowie für die Entdeckung von Hochenergie-Neutrinos astrophysikalischer Herkunft geehrt, wie das Nobel-Komitee am Dienstag in Stockholm mitteilte.
In Halzens Forschungen gehe es letztlich "um geisterhafte Botschafter aus dem All", sagte die Generalsekretärin der Schwedischen Akademie der Wissenschaften, Ellen Moons. Mit Hilfe von Lichtsensoren im IceCube-Neutrino-Observatorium am Südpol, das die Schwedische Akademie als "riesigen Eiswürfel" im Volumen von einem Kubikkilometer Eis beschrieb, können Wissenschaftler demnach Neutrinos nachweisen - winzige Teilchen, die bei extrem energiereichen Prozessen in den Weiten des Weltalls entstehen und anschließend in Lichtgeschwindigkeit durchs Universum fliegen.
Neutrinos seien besonders "schwer zu fassende Teilchen des Universums", die "Materie durchdringen, ohne dass man sie bemerkt", erklärte das Nobel-Komitee weiter. Die Arbeit des IceCube-Neutrino-Observatoriums könne Forschern neue Erkenntnisse über die Bedingungen liefern, unter denen Hochenergie-Neutrinos entstehen, und bislang unbekannte kosmische Phänomene enthüllen. Durch seine Arbeit habe Halzen damit "den Weg für eine neue Art von Astronomie gebahnt".
1988 hatte Halzen seine Vision eines Neutrino-Observatoriums aus Antarktis-Eis erstmals vorgestellt. Die Idee erhielt rasch Unterstützung durch weitere Forscher. Einige Jahre später wurden in dem Observatorium am Südpol erste Tests vorgenommen, 2011 wurde der Bau abgeschlossen.
Der aus dem belgischen Tienen stammende Halzen ist Professor an der US-Universität von Wisconsin in Madison. "Das ist eine große Überraschung, und natürlich habe ich nicht damit gerechnet", sagte der 82-Jährige per Telefon-Schaltung bei der Nobel-Pressekonferenz. Neben seiner Freude über die Auszeichnung an sich freue er sich am meisten darüber, dass der Nobelpreis auch ein Licht "auf die wirklich mutigen Leute wirft, die sich mir am Beginn dieses Projekts angeschlossen haben", betonte Halzen.
Auf die Frage, ob Neutrinos Botschaften möglicher Außerirdischer enthalten könnten, sagte Halzen, Spekulationen zufolge könnten Neutrinos "eine ideale Möglichkeit sein, um mit Aliens zu kommunizieren". Er selbst würde jedoch nicht so weit gehen: "Ich finde, wir haben derzeit genügend realistische Probleme, um die wir uns kümmern können."
Der belgische Regierungschef Bart De Wever gratulierte Halzen zu seiner Auszeichnung. Diese sei eine "beeindruckende Anerkennung für ein Leben, das der Enthüllung der größten Geheimnisse des Kosmos durch dessen winzigste Erscheinungsformen" gewidmet sei.
Begonnen hatte die Verkündung der Nobelpreis-Träger am Montag mit der Auszeichnung für Medizin, die in diesem Jahr an die deutschen Forscher Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Neurologen Karl Deissenroth für ihre Pionierarbeiten im Bereich der Optogenetik geht.
Am Mittwoch folgt der Nobelpreis für Chemie, am Donnerstag der Literaturnobelpreis, am Freitag wird der Friedensnobelpreis verkündet. Den Abschluss bildet die Verkündung der Auszeichnung im Bereich Wirtschaftswissenschaften am kommenden Montag.
Der Nobelpreis ist in diesem Jahr mit zwölf Millionen schwedischen Kronen (1,06 Millionen Euro) dotiert. Verliehen werden die Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel.
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