Mindestens 16 Tote und Dutzende Verletzte bei schwerem Erdbeben in Tibet

Aufzeichnung eines Erdbebens auf einem Seismographen Bild: AFP

Mindestens 16 Tote und Dutzende Verletzte bei schwerem Erdbeben in Tibet

Bei einem Erdbeben der Stärke 7,0 in Tibet sind nach Angaben chinesischer Staatsmedien mindestens 16 Menschen getötet und 32 weitere verletzt worden. Mehr als 300 Häuser stürzten ein. Die Rettungsarbeiten dauern an.

In der autonomen Region Tibet in China hat ein schweres Erdbeben Todesopfer und schwere Zerstörungen verursacht. Nach Angaben des staatlichen Fernsehsenders CCTV vom Freitag gab es mindestens 16 Tote und 76 Verletzte. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua stürzten durch das Beben der Stärke 7,0 mehr als 330 Häuser ein oder wurden beschädigt. Mehr als 12.000 Menschen seien aus dem entlegenen Gebiet evakuiert worden.

Auf Bildern von Überwachungskameras, die chinesische Medien verbreiteten, war zu sehen, wie während des Bebens Menschen aus Restaurants stürmten und Waren aus Supermarktregalen fielen. Das Erdbeben hatte die Region am Donnerstag um 22.33 Uhr Ortszeit (16.33 Uhr MESZ) erschüttert. 

Nach Angaben des geologischen Dienstes der USA (USGS) ereignete es sich in einer Tiefe von zehn Kilometern. Das Epizentrum lag demnach im Bezirk Baqing, einer dünn besiedelten Bergregion in mehr als 4500 Metern Höhe, die mindestens zehn Autostunden von Lhasa, der Hauptstadt Tibets, entfernt ist.

CCTV-Aufnahmen zeigten, wie Helfer durch beschädigte Gebäude kletterten und dabei einen Menschen bargen. Von den 76 gemeldeten Verletzten befanden sich mindestens elf in einem ernsten Zustand, wie Xinhua berichtete.

Für die Rettungsarbeiten wurden laut CCTV hunderte Feuerwehrleute, Rettungskräfte und Polizisten mit Suchhunden und Ortungsausrüstung in das Katastrophengebiet geschickt. Auch die Armee unterstützte den Einsatz mit mehr als 300 Soldaten sowie einer Drohne. 

Chinas Staatschef Xi Jinping rief zu "maximalen Rettungsanstrengungen" auf. Wie Xinhua berichtete, sprach er von einer "bedeutenden Opferzahl", machte aber keine konkreten Angaben.

Der stellvertretende Gemeindevorsteher von Maru, Lhawang Dagpo, berichtete laut Xinhua, wie die heftigen Erschütterungen das Verwaltungsgebäude beschädigten. Im Hauptort des Kreises waren demnach die Stromversorgung und die Telekommunikation beeinträchtigt. 

"Wir hatten uns gerade schlafen gelegt, als das Haus auf einen Schlag zu wackeln anfing und die Sachen von überall herunterfielen", sagte eine Bewohnerin des Erdbebengebiets in einem Video, das die Nachrichtenwebsite "Sina News" veröffentlichte. "Wir sind nach draußen gestürzt, ohne uns vorher anzuziehen. Meine Beine zitterten und als ich unten angekommen war, hatte ich solche Angst, dass ich in Tränen ausgebrochen bin."

Der Bewohnerin zufolge verbrachten nach dem Erdbeben trotz Kälte viele die Nacht in Zelten oder in ihren Autos. Laut CCTV herrschen in der Bergregion tagsüber Temperaturen von um die fünf Grad, nachts sinken die Temperaturen auf minus sechs Grad. Örtlich fällt demnach auch Schnee.

In China kommt es immer wieder zu schweren Erdbeben. Tibet liegt in einer Region mit starker seismischer Aktivität. Im Januar 2025 waren bei einem Beben der Stärke 6,8 im ländlichen Kreis Tingri in Tibet mindestens 126 Menschen ums Leben gekommen.

Am 26. August hatte sich in Tibet außerdem offenbar infolge eines Gletscherabbruchs eine Sturzflut ereignet, besonders stark betroffen war das benachbarte Nepal. Aus Tibet wurden damals 43 Todesopfer gemeldet, aus Nepal mindestens 1400 weitere.

Die autonome Region Tibet ist für ausländische Medien praktisch nicht zugänglich. Die chinesischen Behörden lassen ausländische Journalisten in der Regel nur im Rahmen von Pressereisen ins Land, die von den Behörden organisiert werden.