Rotes Kreuz eröffnet größtes Bevölkerungsschutzzentrum Deutschlands

Helfer des Roten Kreuzes bei Übung in München Bild: AFP

Rotes Kreuz eröffnet größtes Bevölkerungsschutzzentrum Deutschlands

Das Deutsche Rote Kreuz hat in Brandenburg das größte Bevölkerungsschutzzentrum Deutschlands eröffnet. Das Logistikzentrum soll für die nationale Krisenvorsorge eine Schlüsselrolle einnehmen.

Vorbereitung auf Naturkatastrophen, Stromausfälle nach Anschlägen oder große Flüchtlingsbewegungen: Das Deutsche Rote Kreuz hat in Brandenburg das größte und modernste Bevölkerungsschutzzentrum Deutschlands zur schnellen Bereitstellung von Hilfsgütern eröffnet. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) verwies am Donnerstag in Luckenwalde auf gewachsene Herausforderungen im Zivil- und Bevölkerungsschutz, die der Staat ohne ehrenamtliche Helfer nicht bewältigen könne.

Mit der Lagerung großer Mengen an Hilfsgütern soll der DRK-"Bevölkerungsschutz-Hub" für die nationale Krisenvorsorge eine Schlüsselrolle einnehmen und gleichzeitig auch international schnell Hilfe bereit stellen können. DRK-Präsident Hermann Gröhe sagte im rbb24 Inforadio, bisher gebe es im Bevölkerungs- und Zivilschutz in Deutschland noch "deutlich zu wenig" Kapazitäten. Das Rote Kreuz habe sich deshalb entschieden, "in Vorleistung" zu gehen.

"95 Prozent des Schutzversprechens, das der Staat den Bürgerinnen und Bürgern gibt, das ruht auf den Schultern der ehrenamtlichen Frauen und Männer, die sich in diesen Land engagieren", räumte Dobrindt ein. Die "Herausforderungen, sie wachsen. Und wir müssen das auch politisch unterstützen, indem wir die notwendigen Mittel dafür zur Verfügung stellen." Dobrindt verwies beim Einsatz Ehrenamtlicher auch auf den großflächigen Stromausfall im Südwesten Berlins infolge eines Brandanschlags Anfang des Jahres, wo zehntausende Haushalte tagelang mit Notstromaggregaten versorgt werden mussten.

Mit dem Zentrum setze "das Deutsche Rote Kreuz ein starkes Zeichen für vorausschauende und schnelle Einsatzbereitschaft", betonte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bei der Einweihung. "Denn wirksame Hilfe beginnt mit guter Vorbereitung."

Das 34.000 Quadratmeter große Gelände in Luckenwalde entspricht der Größe von etwa fünf Fußballfeldern. Dort würden über 120 Fahrzeuge, hunderte Tonnen von Material wie Großzelte, Decken, Feldbetten, Medikamente und Verbandsmaterial sowie Versorgungstechnik bis zu Notstromaggregaten eingelagert, sagte Gröhe. Ziel sei es, dass das Rote Kreuz bei Krisenfällen wie dem Hochwasser an der Ahr "wirklich selbstständig" die Versorgung von bis zu 5000 Menschen wie in "einer mobilen Kleinstadt in Containern" übernehmen könne.

Gewährleistet werden soll dies durch das Mobile Betreuungsmodul 5000 mit hunderten Zelten und dazugehörigen Sanitär- und Versorgungsanlagen. Es könne auch "bei großen Bevölkerungsbewegungen" etwa bei Flüchtlingen eingesetzt werden, erklärte das DRK. Das Modul könne dabei eine "Auffang- und Puffer-Funktion für das gesamte Bundesgebiet" übernehmen. Ein zweites solches Modul beschafft laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz- und Katastrophenhilfe (BBK) derzeit der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB).

Von dem Logistikzentrum in Brandenburg könnten die Materialien in Containern "gegebenenfalls zum Flughafen oder per Lkw zum Katastrophenort im Inland gebracht" werden, sagte Gröhe. Dies gelte auch für internationale Einsätze. "Wir haben ein Feldkrankenhaus in Luckenwalde, das binnen 72 Stunden im Zweifel zu einem Krisenort in der Welt transportiert werden muss." Es kann laut DRK "die medizinische Versorgung einer Bevölkerung von etwa 250.000 Menschen sicherstellen". 

Gleichzeitig soll das Zentrum in Luckenwalde dem Roten Kreuz auch als Ausbildungsort dienen. Dazu gehört ein 1000 Quadratmeter großes Schulungszentrum mit Ausbildungsküche, Tagungsräumen sowie Aufenthalts- und Ruheräumen.