Annette Bulut (mp)18. Juni 2015, 17:51 UhrGESUNDHEIT
Schätzungen zufolge sterben bis zu 25 Prozent der Tumor-Patienten nicht an ihrer Krebserkrankung, sondern an den Folgen der körperlichen Auszehrung. Dennoch verfügen in Deutschland nur vier Prozent aller Krankenhäuser über ein Ernährungsteam für Krebspatienten.
Schätzungen zufolge sterben bis zu 25 Prozent der Tumor-Patienten nicht an ihrer Krebserkrankung, sondern an den Folgen der körperlichen Auszehrung. Dennoch verfügen in Deutschland nur vier Prozent aller Krankenhäuser über ein Ernährungsteam für Krebspatienten.
Körperliche Auszehrung entsteht durch Mangelernährung. Sie ist ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor für den Erfolg der Tumorbehandlung - gerade bei älteren Patienten. Das Immunsystem wird geschwächt, eine Chemotherapie schlechter vertragen und vielleicht sogar abgebrochen. "Mangelernährung ist kein ungewöhnlicher Befund im Alter. Bedingt durch Schluckbeschwerden, verändertes Geschmacksempfinden und andere Faktoren wird der Speiseplan vieler betagter Menschen über die Jahre immer einseitiger. Es gibt einige Belege, dass sich die Funktion des Immunsystems durch Mangelernährung so verschlechtert, dass die Tumorbekämpfung relevant beeinflusst wird", sagt Dr. Rainer Wirth, Chefarzt am St.-Marien-Hospital Borken.
Hier sorgen neben Wirth drei Diätassistentinnen und eine Ernährungswissenschaftlerin für die Umsetzung von Konzepten der klinischen Ernährungstherapie. Spätestens durch eine Chemotherapie geht es auch an die Muskelmasse, da dem Körper neben Kalorien auch Eiweiße fehlen. Diese sind in den Muskeln gespeichert. Die Folge: ein allgemeines Schwächegefühl und erhöhtes Sturzrisiko.
Als Gegenmittel empfiehlt sich nicht nur eine eiweißreiche Kost, sondern auch ein begleitendes, mäßiges Sportprogramm. "Mit Sport wird man natürlich keine Metastasen los", sagt Dr. Wirth, der auch Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin ist. "Aber Studien zeigen, dass Patienten, die ihre Muskulatur regelmäßig trainieren, weniger an Schwächeerscheinungen und dem allgemeinen Abbau durch eine Tumorerkrankung leiden. Bewegung ist immer noch der stärkste, aufbauende Stimulus für die Muskulatur."
Mangelernährung trifft selbst Patienten, die sich stets gesund und ausgewogen ernährt haben. "Je nach Art des Tumors ist manchmal direkt die Nahrungsaufnahme beeinflusst, weil der Patient zum Beispiel nicht mehr richtig schlucken kann oder Bauchschmerzen hat. Zusätzlich hemmen bestimmte Botenstoffe wie zum Beispiel Interleukine den Appetit." Letzteres oft schon lange, bevor der Krebs diagnostiziert wird. Ein ungewollter Gewichtsverlust gilt daher als Warnzeichen, sagt Wirth: "Wer zum Beispiel stets an Übergewicht gelitten hat und plötzlich abnimmt, sollte unbedingt einen Arzt konsultieren."