Mit Myrrhe gegen Darmerkrankungen

Schon in der Bibel wird Myrrhe als wertvoller Extrakt gewürdigt - jetzt haben Forscher der Universität Duisburg-Essen in einer Untersuchung nachgewiesen, dass das Gummiharz bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eine bessere Wirkung hat als das Standardmedikament Mesalazin alleine. Profitieren könnten davon Patienten, die an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa leiden.


Schon in der Bibel wird Myrrhe als wertvoller Extrakt gewürdigt - jetzt haben Forscher der Universität Duisburg-Essen in einer Untersuchung nachgewiesen, dass das Gummiharz bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) eine bessere Wirkung hat als das Standardmedikament Mesalazin alleine. Profitieren könnten davon Patienten, die an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa leiden.

So sorge ein pflanzliches Kombinations-Arzneimittel mit Myrrhe für eine höhere Konzentration an gesundheitsfördernden kurzkettigen Fettsäuren im Darm als die synthetische Variante. "Diese kurzkettigen Fettsäuren erfüllen viele wichtige Aufgaben im Darm", erklärt Studienleiter Prof. Jost Langhorst. "Sie sind beispielsweise für die Energieversorgung spezieller Darmzellen sowie für die Produktion des schützenden Darmschleims sehr wichtig." Neben der Unterstützung der Magen-Darm-Funktion habe die Pflanzenarznei so auch im Rahmen der Erhaltung der schubfreien Phase einen entscheidenden positiven Einfluss auf die Fettsäure-Produktion der Darmflora ("Mikrobiota"), so der Essener Gastroenterologe.

Von 89 Probanden der Studie hatten 43 im Untersuchungszeitraum von 12 Monaten einen Schub entwickelt - also eine Phase erhöhter Entzündungsaktivität mit mehr Beschwerden. Auffällig war, dass in Schubphasen bei Patienten, die ausschließlich Mesalazin einnahmen, ein signifikanter Abfall der kurzkettigen Fettsäuren zu beobachten war, nicht aber bei den Patienten, die das Myrrhe-Arzneimittel bekamen. In der schubfreien Phase (Remission) war kein Unterschied zu beobachten.

Die kurzkettigen Fettsäuren werden von den bis zu 100 Billionen Darmbakterien aus Ballaststoffen gebildet. Diese "guten Fettsäuren" seien nicht nur für die Energieversorgung der Darmschleimhaut, die Schleimproduktion (Mucin) und die ph-Wert-Regulation von überragender Bedeutung. "Je stärker die Entzündung im Darm, desto weniger kurzkettige Fettsäuren sind dort vorhanden. Eine hohe Produktion dieser gesundheitsfördernden Fettsäuren durch die Mikrobiota ist demnach ein wünschenswerter Zustand bei CED-Patienten", erläutert Langhorst.

Zudem habe die Untersuchung ergeben, dass das pflanzliche Arzneimittel ausschließlich an der Darmschleimhaut wirkt und nicht, wie die Standardarznei, über eine Beeinflussung des gesamten Immunsystems. "Zum jetzigen Zeitpunkt verdichten sich die Hinweise dafür, dass zur Erhaltung der schubfreien Phase die Kombination von Mesalazin mit dem Myrrhe-Arzneimittel einen Zusatznutzen für den Patienten haben könnte."