Individuelle Brustkrebs-Screenings für mehr Schutz
Steve Schmit/mp4. Oktober 2017, 14:31 UhrGESUNDHEIT
Bei Brustkrebs ist Früherkennung essenziell. Bisher werden Frauen zu Mammografien meist pauschal eingeladen, statt nach individuellem Erkrankungsrisiko. Damit die Vorsorge verbessert werden kann, feilen Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum an den verwendeten Rechenmodellen.
Bei Brustkrebs ist Früherkennung essenziell. Bisher werden Frauen zu Mammografien meist pauschal eingeladen, statt nach individuellem Erkrankungsrisiko. Damit die Vorsorge verbessert werden kann, feilen Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum an den verwendeten Rechenmodellen.
"Verbessern ließe sich die Situation durch eine personalisierte Früherkennung, die an das individuelle Brustkrebsrisiko angepasst ist", sagt Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und erklärt: "Auf der einen Seite steht der Nutzen der Mammographie, nämlich eine gesenkte Brustkrebssterblichkeit. Dem gegenüber stehen die Risiken wie Überdiagnose, falsch positive Befunde und letztendlich auch die Kosten. Unser Ziel ist, diese Balance in Richtung Nutzen zu verschieben." Idealweise könnten Frauen mit niedrigem Erkrankungsrisiko seltener Mammografien unterzogen werden, während Frauen mit erhöhtem Risiko engmaschigere Termine wahrnehmen.
Zur Bestimmung des individuellen Erkrankungsrisikos werden mathematische Modelle genutzt. Sie basieren in erster Linie auf Daten aus der Reproduktionsgeschichte: In welchem Alter fand die erste Regelblutung statt? Wann wurde das erste Kind geboren, wie viele Kinder waren es insgesamt? Wann sind die Wechseljahre eingetreten? Wurde hormonell verhütet oder eine Hormonersatztherapie eingenommen? Auch der Body Mass Index wird in die gängigen Modelle zur Risikobewertung einberechnet, ebenso die Anzahl der Krebsfälle bei direkten Angehörigen.
Wird der Hormonspiegel noch mit einbezogen, verbessert sich besonders für Frauen nach den Wechseljahren die Genauigkeit der Bestimmung, wie die Forscher kürzlich herausfanden. Die Vorhersage-Modelle sind aber nicht konzipiert für Frauen, bei denen eine Mutation der "Brustkrebsgene" BRCA1 und BRCA2 bekannt ist. Unter diesem Gesichtspunkt arbeiten die Experten daran, genetische Risikoprofile in die Modelle mit einzubeziehen. "Die Herausforderung ist nun, alle diese Berechnungen zusammenzuführen", sagt DKFZ-Epidemiologe Kaaks.