Digitale Therapie nach Schlaganfall

Zum Tag gegen den Schlaganfall startet am Tübinger Zentrum für Neurologie ein neues Forschungsprojekt: Virtuelle Realität soll im Gehirn neue Aktivitätsmuster trainieren.


Zum Tag gegen den Schlaganfall startet am Tübinger Zentrum für Neurologie ein neues Forschungsprojekt: Virtuelle Realität soll im Gehirn neue Aktivitätsmuster trainieren. In der neurologischen Therapie halten "Health Games" immer mehr Einzug - digitale Spiele, die gleichzeitig Spaß machen und dafür sorgen sollen, dass der Patient gegen seine Defizite antrainiert.

Ein Team am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und dem Universitätsklinikum Tübingen startet nun das Forschungsprojekt "Rehality". Sie planen eine hochimmersive virtuelle Realität (VR) zu entwickeln, in der Schlaganfallpatienten wahrnehmen, wie sich ihr chronisch gelähmtes Körperteil bewegt. Das Besondere daran: Die virtuellen Bewegungen werden abhängig von der Gehirnaktivität gezeigt. Um sie in der VR-Brille zu sehen, müssen sich die Patienten die Bewegung mental vorstellen. Das soll das Gehirn anregen, sich umzustrukturieren und langfristig neue und effizientere Aktivitätsmuster zu speichern.

"Nehmen Patienten im virtuellen Raum wahr, wie sie eine gelähmte Hand bewegen können, so begünstigt diese Illusion die Reorganisation von Netzwerken im Gehirn und damit den Heilungsprozess", so Studienleiter Professor Dr. Ulf Ziemann. "Forschungsergebnisse zeigen außerdem, dass der Zustand des Gehirns zum Zeitpunkt der Stimulation entscheidend dafür ist, ob es zu einer plastischen Veränderung der Hirnnetzwerke kommt oder nicht".

Langfristig soll die "Rehality"-Therapie die Versorgungslücke zwischen stationärer Akutbehandlung, Rehabilitation und Therapie daheim schließen. Das soll zum einen Kosten einsparen und zum anderen den erfolgreichen Wiedereinstieg in ein eigenständiges Leben und Erwerbsfähigkeit beschleunigen.