Tabletten und Stethoskop auf einem Tisch Bild: AFP
Gesetzlich Versicherte müssen im Schnitt 42 Tage auf Facharzttermin warten
AFP4. Februar 2026, 14:48 UhrGESUNDHEIT
Gesetzlich Versicherte mussten 2024 im Schnitt 42 Tage auf einen Facharzttermin warten - und damit deutlich länger als noch vor einigen Jahren. Dies geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor.
Gesetzlich Versicherte mussten 2024 im Schnitt 42 Tage auf einen Facharzttermin warten - und damit deutlich länger als noch vor einigen Jahren. Dies geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor, die der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch vorlag. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sieht in den Wartezeiten "ein Problem", sie will mit "Strukturveränderungen" gegensteuern. Scharfe Kritik kommt von Grünen und Linkspartei.
Einer Versichertenbefragung zufolge, auf die sich die Bundesregierung beruft, betrug die Wartezeit 2019 noch 33 Tage. Die Zahlen beziehen sich demnach auf Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die mindestens einen Tag auf Facharzttermine gewartet haben.Â
Der Antwort zufolge, über die zunächst die "Rheinischen Post" berichtet hatte, stiegen zugleich die jährlichen GKV-Ausgaben für offene Sprechstunden bei Ärzten rasant an. Die extrabudgetäre Vergütung für Leistungen im Rahmen offener Sprechstunden kletterte im Jahr 2023 auf rund 814 Millionen Euro. 2022 waren es noch 547 Millionen Euro, im Jahr 2020 rund 291 Millionen Euro.Â
Zu offenen Sprechstunden können Patientinnen und Patienten ohne vorherige Terminvereinbarung in die Praxis kommen. Bestimmte Fachärzte wie Augenärzte, Orthopäden und Psychiater müssen mindestens fünf Stunden pro Woche als offene Sprechstunden anbieten. Dafür bekommen sie von den Kassen zusätzliches Geld in Form einer extrabudgetären Vergütung, was zu einem besseren Zugang zur ärztlichen Versorgung für GKV-Versicherte führen soll.
"Wartezeiten auf einen Facharzttermin sind für zu viele Versicherte ein Problem", erklärte Ministerin Warken. Helfen sollen "konkrete Strukturveränderungen, die das Problem von Grund auf angehen". Konkret nennt die CDU-Politikerin die geplante Einführung eines Primärversorgungssystems mit "an der Dringlichkeit des medizinischen Anliegens orientierten Wartezeiten".
Scharfe Kritik kommt von der Opposition. "Trotz wachsender Ausgaben, offener Sprechstunden und Sondervergütungen warten gesetzlich Versicherte heute länger als noch vor fünf Jahren", sagte der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen der Nachrichtenagentur AFP. Dies sei "das Ergebnis von Reformstillstand".Â
Warken habe es bislang versäumt, die ambulante Versorgung wirksam neu zu ordnen, kritisierte Dahmen. "Seit Monaten kündigt die Bundesregierung eine bessere Versorgungssteuerung und ein Primärarztsystem an – geliefert wurde bislang vor allem Rhetorik."
Die Linken-Gesundheitsexpertin Julia-Christina Stange nannte die bisherigen Regelungen für eine bessere Versorgung und schnellere Termine "einen Rohrkrepierer". Sie ergänzte: "Sie kosten die gesetzlich Versicherten mehr Geld bei schlechterer Leistung." Stange warf der Bundesregierung vor, statt endlich durchzugreifen die Augen zu verschließen.
Kritik kommt auch vom GKV-Spitzenverband. "Über einen Monat auf einen Termin beim Facharzt zu warten, ist zu lang", sagte Verbandsvorstand Martin Krasney der "Rheinischen Post". Notwendig sei "eine ambulante Versorgung, die mit einer modernen Lebens- und Arbeitswelt vereinbar ist". Um die Terminvergabe effizienter zu machen, sprach sich Krasney für "eine gesetzliche Regelung für ein tagesaktuelles Onlineportal" aus.
"Obwohl wir in Deutschland eine verhältnismäßig hohe Facharztdichte haben, warten die Menschen teilweise sehr lange auf Termine", kritisierte auch die Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Nicola Buhlinger-Göpfarth, in der Zeitung. Sie forderte grundlegende Reformen: So müsse das geplante Primärversorgungssystem "zeitnah" ausgerollt werden.
Auf die Einführung eines Primärarzt- oder Primärversorgungssystems hatten sich Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag geeinigt. Die Hausärztin oder der Hausarzt soll demnach künftig die erste Anlaufstation sein. Ein Facharzt soll erst danach aufgesucht werden können. Dies soll Arztbesuche reduzieren und damit Kosten sparen.
Ministerin Warken will bis zum Sommer einen ersten Gesetzentwurf dazu vorlegen. "Mit den ersten Wirkungen" des neuen Systems rechnet die Gesundheitsministerin 2028, wie sie kürzlich sagte.