Nach Chaos vertagter Prozess zu Griechenlands schwerstem Zugunglück fortgesetzt
AFP1. April 2026, 13:18 UhrBRENNPUNKTE
Nach seiner Vertagung infolger chaotischer Szenen ist der Prozess zum größten Zugunglück in der Geschichte Griechenlands am Mittwoch fortgesetzt worden. Am ersten Prozesstag vor anderthalb Wochen hatte es nicht genügend Platz für die vielen Opferangehörigen gegeben.
Anderthalb Wochen nach seiner Vertagung infolge chaotischer Szenen ist der Prozess zum größten Zugunglück in der Geschichte Griechenlands am Mittwoch fortgesetzt worden. Um zu verhindern, dass wie zu Prozessbeginn zu viele Menschen in den Verhandlungssaal in Larisa strömen, waren am Eingang Kontrollen eingerichtet.Â
Am Montag vergangener Woche, dem ersten Prozesstag, hatte die vorsitzende Richterin Georgia Stefanidou die Sitzung nach knapp vier Stunden bereits wieder vertagt, weil es nicht genügend Platz für die vielen Teilnehmer gab. Hunderte Menschen hatten sich in einen zum Gerichtssaal umgebauten Hörsaal der Universität von Larisa gedrängt, es kam zu chaotischen Szenen.
Nach Angaben des Verbands der Opferfamilien waren die Angehörigen "wie Sardinen in der Dose zusammengepfercht" worden. Dies sei eine "absolute Schande und eine Missachtung".Â
Wegen des Platzmangels mussten manche Opferangehörige oder bei dem Zugunglück Verletzte bei unerträglicher Hitze im Stehen teilnehmen. Andere Opferangehörige nahmen auf den Anklagebänken Platz, weil nur wenige der 36 Angeklagten vor Gericht erschienen waren.
Am Mittwoch nun habe die Verhandlung in einem größeren umfunktionierten Saal der Universität stattgefunden, berichteten die griechische Nachrichtenagentur ANA und der Fernsehsender ERT.
Der Prozess begann erst mehr als drei Jahre nach dem Unglück: Am 28. Februar 2023 war in Tempi in der Nähe von Larisa ein Passagierzug auf dem Weg von Athen nach Thessaloniki frontal mit einem Güterzug zusammengeprallt - 57 Menschen starben, darunter viele Studierende. Dutzende weitere Insassen erlitten Verletzungen.
Angeklagt sind 36 mutmaßlich Verantwortliche. Neben Bahnmanagern und Beamten muss sich auch der diensthabende Bahnhofsvorsteher aus der Unglücksnacht verantworten. Die Angeklagten sind derzeit alle auf freiem Fuß, die meisten von ihnen erschienen nicht zum Prozessbeginn. Bei einer Verurteilung drohen teils lebenslange Haftstrafen.Â
Der Prozess könnte mehrere Jahre dauern. Geklärt werden soll unter anderem, warum die beiden Züge zehn Minuten lang auf dem gleichen Gleis aufeinander zu fuhren, ohne dass irgendein Alarm ausgelöst wurde.
Die Regierung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis führte den Unfall offiziell auf menschliches Versagen und schwerwiegende strukturelle Mängel bei der griechischen Bahn zurück. Die Sanierungsarbeiten waren trotz bereitstehender EU-Mittel und Warnungen von Gewerkschaften verschleppt worden.Â
Die Regierung steht wegen ihres Umgangs mit dem Unglück auch selbst in der Kritik. Dass in Larisa kein Politiker vor Gericht steht, sorgt in Griechenland deshalb für großen Unmut.