Industrie-Studie: Enormes Potenzial durch Recycling und Wiederverwendung
AFP5. Mai 2026, 14:34 UhrENERGIE
Deutsche Unternehmen sind bei vielen wichtigen Rohstoffen auf Importe angewiesen. Abhilfe für dieses sich verschärfende Problem des deutschen Industriestandorts könnte zumindest teilweise ein stärkerer Fokus auf Recycling und Wiederverwertung leisten.
Deutsche Unternehmen sind bei vielen wichtigen Rohstoffen vollständig auf Importe angewiesen. Abhilfe für dieses sich verschärfende Problem des deutschen Industriestandorts könnte zumindest teilweise ein stärkerer Fokus auf Recycling und Wiederverwertung leisten, wie eine Studie des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) ergab. "Recycling und Wiederverwendung könnten bis 2045 zwischen 20 und 40 Prozent der Rohstoffimporte ersetzen", erklärte der Verband am Dienstag.
"Bei Rohstoffen wie Lithium, Nickel und Seltenen Erden liegt die Importquote bei nahezu 100 Prozent", betonten die vom BDI beauftragten Experten des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group. "Entsprechend schlagen geopolitische Spannungen, Exportrestriktionen und Preissprünge direkt auf Lieferketten und Wettbewerbsfähigkeit durch." Diese Materialien sind speziell für Zukunftstechnologien etwa im Energiebereich oder auch E-Autos und Rechenzentren nötig.
Die Studie betont zudem die weltweit steigende Nachfrage und die entsprechende Preisentwicklung fraglicher Rohstoffe: "Kupfer und Aluminium verteuerten sich in den vergangenen fünf Jahren um rund 60 Prozent, und der Lithiumpreis schwankte zwischen 10.000 und mehr als 50.000 Euro pro Tonne." Auch der Silberpreis sei wegen der wachsenden Nachfrage aus Elektromobilität und Erneuerbaren Energien stark gestiegen, "während die Förderkapazitäten global kaum Schritt halten konnten".
Vor diesem Hintergrund sei die hohe Importabhängigkeit "schon heute die Achillesferse des Industriestandorts Deutschland", erklärte der stellvertretende BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch. "Kreislaufwirtschaft kann helfen, diese Verwundbarkeit zu verringern - zusammen mit mehr Diversifizierung sowie heimischer Rohstoffförderung und -verarbeitung."
Die Boston Consulting Group (BCG) untersuchte für die Studie die Effekte eines stärkeren Fokusses auf die Kreislaufwirtschaft für die Branchen Mobilität, Maschinenbau, Bauwesen, Energie sowie Textil. Es zeige sich, dass Recyceln und Wiederverwerten "kein reines Nachhaltigkeitsthema, sondern in vielen Bereichen ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell" sei, erklärt Patrick Herhold von der BCG.
Zudem habe Deutschland dank seiner industriellen Basis und technologischen Stärke "gute Voraussetzungen, um aus einer ambitionierten Circular Economy einen Standortvorteil zu entwickeln". Etwa könne der deutsche Maschinenbau bei Sortier- und Recycling-Technologien "als Technologieführer eine Schlüsselrolle einnehmen".
"Kreislaufwirtschaft stärkt den Industriestandort gleich doppelt: Sie reduziert kritische Abhängigkeiten und schafft zusätzliche Wertschöpfung in Deutschland", erklärte Lösch vom BDI.Â
Der Studie zufolge kann sich die "zirkuläre Bruttowertschöpfung" von derzeit 60 Milliarden Euro auf bis zu 125 Milliarden Euro im Jahr 2045 mehr als verdoppeln - "und das innerhalb bestehender Industrie- und Wertschöpfungsstrukturen", wie der Industrieverband hervorhob. Die zusätzliche Wertschöpfung könne sich kumuliert bis 2045 auf bis zu 880 Milliarden Euro summieren.
Ein "Milliarden-Potenzial" sieht auch die Textilindustrie: Die Kreislaufwirtschaft sei für die Branche "wirtschaftlich chancenreich und industriepolitisch relevant", erklärte der Gesamtverband textil+mode. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hält die Kreislaufwirtschaft ebenfalls für einen möglichen "Wachstumsmotor". Noch stünden aber auch regulatorische Hürden und beispielsweise komplizierte Abfall- und Transportvorschriften im Weg - hier müsse die Politik aktiv werden.