Süßer Irrtum? Fruchtsaft-Industrie ist sauer

Schon Eltern und Großeltern haben es uns eingeimpft: Fruchtsäfte sind gesund, stärken das Immunsystem und halten uns bis ins Alter fit. Doch das Image bekommt Risse. Verantwortlich dafür sind Aussagen und Informationen zu Fruchtgehalten, Zuckerzusätzen und Verarbeitungsprozessen. In einer aktuellen Online-Befragung von Nordlight research will nun der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V. (VdF) mit vermeintlichen Irrtümern aufräumen.


Schon Eltern und Großeltern haben es uns eingeimpft: Fruchtsäfte sind gesund, stärken das Immunsystem und halten uns bis ins Alter fit. Doch das Image bekommt Risse. Verantwortlich dafür sind Aussagen und Informationen zu Fruchtgehalten, Zuckerzusätzen und Verarbeitungsprozessen. In einer aktuellen Online-Befragung von Nordlight research will nun der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V. (VdF) mit vermeintlichen Irrtümern aufräumen. Die Wahrheit dürfte allerdings wie so oft irgendwo in der Mitte liegen. Denn dass die deutsche Fruchtsaft-Industrie ihre eigenen Produkte verteufelt, glaubt wohl niemand ernsthaft. Nett zu lesen ist es trotzdem.

41 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass Fruchtsaft Zucker zugesetzt wird. Fruchtsaft besteht nur aus dem Saft der gepressten Früchte, behauptet dagegen die Fruchtsaft-Industrie. Und jeglicher Zusatz von Zucker ist seit 2011 EU-weit verboten. Das regele die Fruchtsaftverordnung. Wie die Früchte selbst, enthalte der Fruchtsaft nur den fruchteigenen Zucker. Aufgrund seiner hohen Nährstoffdichte zählt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Fruchtsaft nicht zu den Getränken, sondern zu den pflanzlichen Lebensmitteln. Daher sollte man Fruchtsaft auch nicht als Durstlöscher betrachten, heißt es.

Dass Fruchtsaft aus Konzentrat kein richtiger Fruchtsaft ist, glauben sogar 81 Prozent der Befragten. Saft ist gleich Saft, betont dagegen die Früchte-Lobby. Denn ein Fruchtsaft bestehe immer aus 100 Prozent Frucht. Dabei spiele es keine Rolle, ob er als Direktsaft oder als Fruchtsaft aus Fruchtsaftkonzentrat angeboten wird. Beide Angebotsformen müssen qualitativ gleichwertig sein und enthalten weder Farb- noch Konservierungsstoffe, ist zu hören. Das sei schließlich gesetzlich durch die Fruchtsaftverordnung geregelt.

Und 54 Prozent der Befragten glauben, dass Fruchtsaft nicht grundsätzlich aus 100 Prozent Frucht besteht. Wo Fruchtsaft draufsteht, ist immer 100 Prozent Frucht drin, so die Fruchtsaft-Industrie. Immerhin: Nicht jede Frucht kann man auch als 100-prozentigen Fruchtsaft genießen. Früchte wie Sauerkirschen, Johannisbeeren oder auch Rhabarber seien von Natur aus sehr sauer. Aprikose, Mango und Banane dagegen fruchtfleischhaltig. All diese Früchte würden nicht als Fruchtsaft, sondern als sogenannte "Fruchtnektare" im Handel angeboten. Um die Früchte "trinkfähig" zu machen, werden ihnen Wasser und gegebenenfalls Süße in Form von Honig oder Zucker zugefügt, heißt es - der Mindestfruchtgehalt liege demnach zwischen 25 und 50 Prozent (je nach Fruchtart) und werde ebenfalls vom Gesetzgeber vorgegeben.

Das klingt ja alles ganz nett. Nur: Wo kommen die ganzen Vorurteile und das schlechte Image dann her? Ein Schlückchen Wahrheit ist vielleicht doch dran. Denn schwarze Schafe gibt es bekanntlich in jeder Branche.

Ralf Loweg / mp