HIV-Test auf dem Rückzug

HIV kann beim Sex ohne Kondom übertragen werden - so viel wissen heute neun von zehn Deutschen. Und doch: Fast ein Drittel würde wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich keinen HIV-Test machen, nachdem er oder sie ungeschützten Sex mit einer neuen Bekanntschaft hatte.


HIV kann beim Sex ohne Kondom übertragen werden - so viel wissen heute neun von zehn Deutschen. Und doch: Fast ein Drittel würde wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich keinen HIV-Test machen, nachdem er oder sie ungeschützten Sex mit einer neuen Bekanntschaft hatte.

Fast 60 Prozent der deutschen Bevölkerung hat sich überhaupt noch nie auf HIV testen lassen. Möglicherweise glaubt die Mehrheit, dass HIV sie selbst nicht betrifft: HIV wird von vier Fünfteln der Befragten nicht als persönliches Risiko angesehen. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Studie "Is HIV sorted?" ("Ist HIV unter Kontrolle?"), die im Juli 2018 im Auftrag von Gilead Sciences in insgesamt zwölf europäischen Ländern, darunter Deutschland, durchgeführt wurde.

Wohl aus Angst vor Stigmatisierung meiden noch immer viele Menschen bereits den HIV-Test, vermuten die Experten. Dabei könnten Menschen mit HIV dank moderner Therapien ein fast normales Leben bei guter Lebensqualität führen. Mit einer erfolgreichen Behandlung und einer Viruslast unter der Nachweisgrenze sei auch eine Ansteckung nahezu ausgeschlossen.

"Nur 14 Prozent der Befragten ist bekannt, dass bei Menschen mit HIV, die unter der Nachweisgrenze sind, das HI-Virus nicht mehr im Blut nachweisbar und damit auch nicht mehr übertragbar ist", teilt Gileas mit. Sechs von zehn Deutschen würden aber glauben, dass eine Person mit HIV trotz einer erfolgreichen antiretroviralen Therapie weiter ansteckend sei. Weitere 26 Prozent geben an, sich diesbezüglich nicht sicher zu sein.

Jeder zweite Deutsche (55 Prozent) würde sich nicht sehr oder überhaupt nicht wohl fühlen, wenn er oder sie als Single mit einer HIV-positiven Person ausgehen würde. Fast ein Viertel fände es unangenehm, mit Kollegen oder Kolleginnen, die HIV-positiv sind, zusammenzuarbeiten. Viele Befragten würden Menschen mit HIV von bestimmten Berufen sogar ganz ausschließen: 61 Prozent meinen, in Krankenhäusern oder in der häuslichen Pflege sollte niemand mit HIV arbeiten; jeder Zweite würde HIV-Positive grundsätzlich nicht für Berufe im Gesundheitswesen zulassen.

Das Resümee der Studie: Auch nach fast vier Jahrzehnten Aufklärungsarbeit und bedeutenden medizinischen Fortschritten sind Unwissenheit, Vorurteile und Stigmatisierung noch immer wesentliche Hindernisse im Kampf gegen HIV und AIDS. "Unser erstes Ziel muss sein, dass sich mehr Menschen auf HIV testen lassen - und damit auch die Chance auf eine frühzeitige Therapie erhalten", sagt Dennis Frerichs, General Manager Gilead Sciences Deutschland. "Gelingt uns das, können wir HIV und AIDS unter Kontrolle bringen." Die medizinischen Voraussetzungen dafür seien in den vergangenen Jahren geschaffen worden.