Bund will mit milliardenschwerem Tennet-Einstieg Ausbau der Stromnetze absichern

Stromleitungen Bild: AFP

Bund will mit milliardenschwerem Tennet-Einstieg Ausbau der Stromnetze absichern

Der deutsche Staat steigt beim Übertragungsnetzbetreiber Tennet ein. Wie die niederländische Tennet Holding am Dienstag mitteilte, wurde mit der staatlichen KfW-Förderbank der Kauf eines 25,1-Prozent-Anteils für rund 3,3 Milliarden Euro vereinbart.

Der deutsche Staat steigt beim Übertragungsnetzbetreiber Tennet ein. Wie die niederländische Tennet Holding am Dienstag mitteilte, wurde mit der staatlichen KfW-Förderbank der Kauf eines 25,1-Prozent-Anteils an Tennet Deutschland für rund 3,3 Milliarden Euro vereinbart. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte, der Einstieg des Bundes trage dazu bei, "den milliardenschweren Kapitalbedarf in den kommenden Jahren abzusichern".

Für das Erreichen der energiepolitischen Ziele sei "der bedarfsgerechte Ausbau der Stromnetze erforderlich", erläuterte Reiche. "Mit dieser Investition in die Infrastruktur der Zukunft stärken wir den Standort Deutschland", fügte sie hinzu. KfW-Vorstandschef Stefan Wintels bezeichnete die Beteiligung als "Meilenstein für Versorgungssicherheit und Resilienz der deutschen und europäischen Energieinfrastruktur". 

Der Chef von Tennet Deutschland, Tim Meyerjürgens, begrüßte den Einstieg des Bundes als "starkes Signal". Dass die Bundesregierung in strategische Infrastruktur investiere, unterstreiche, "dass ein entschlossener Netzausbau höchste Priorität hat", erklärte er. Leistungsfähige Stromnetze seien "die Grundlage für Versorgungssicherheit, industrielle Wettbewerbsfähigkeit und Energiesouveränität in Deutschland und Europa". 

Mit dem Bund habe Tennet Deutschland einen weiteren "langfristig orientierten Partner" gewonnen, der die finanzielle Basis des Netzbetreibers nachhaltig stärke. "Mit den Investitionen von heute schaffen wir die Energieinfrastruktur, auf der wirtschaftliche Entwicklung und industrielle Wertschöpfung langfristig aufbauen", erklärte Meyerjürgens.

Gegenüber dem "Handelsblatt" hob er zudem hervor, dass die breite Eigentümerbasis des Unternehmens die Bonität von Tennet Deutschland stärke und damit die Grundlage für eine langfristig günstige Finanzierung am Kapitalmarkt schaffe. "Mit dem Staat als Investor können wir die Netze günstiger ausbauen", erklärte er. Es gehe aber auch darum, ein Zeichen gegenüber internationalen Investoren zu setzen: "Ein Staat, der sich selbst in einem seiner wichtigsten Infrastrukturprojekte engagiert, sendet das Signal, dass hier mit verlässlichen Rahmenbedingungen zu rechnen ist."

Tennet ist der größte der vier Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland und betreibt ein rund 14.000 Kilometer langes Hochspannungsstromnetz zwischen Schleswig-Holstein und Bayern. Das Unternehmen ist eine Tochter der niederländischen Tennet, die dem Staat gehört und künftig noch mit 28,9 Prozent an Tennet Deutschland beteiligt bleibt. 

Gespräche über eine Beteiligung des deutschen Staates hatte es angesichts des großen Investitionsbedarfs für das Stromnetz in Deutschland bereits in der Vergangenheit gegeben. Mitte 2024 waren Gespräche über eine Beteiligung Berlins zwischen der deutschen und der niederländischen Regierung aber an den deutschen Haushaltsengpässen gescheitert.

Zuletzt hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages allerdings grünes Licht für einen Einstieg gegeben und Mitte Januar den Weg für die Unterzeichnung freigemacht. Bereits im September hatte Tennet zudem den milliardenschweren Einstieg weiterer Investoren für seine deutsche Tochter verkündet: Der niederländische Rentenfonds APG, der norwegische Staatsfonds NBIM und der Staatsfonds GIC aus Singapur steuern bis zu 9,5 Milliarden Euro bei.

Mit Blick auf den Einstieg des Bundes müssen nun - wie bei Unternehmensbeteiligungen üblich - noch die regulatorischen Genehmigungen eingeholt werden. Mit dem Vollzug wird nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums im dritten Quartal dieses Jahres gerechnet. Mit den bereits bestehenden Beteiligungen des Bundes an 50Hertz (20 Prozent) und TransnetBW (24,95 Prozent) wäre der Bund demnach dann an drei der vier deutschen Stromübertragungsnetzbetreiber beteiligt.