Opfer-Anwälte befragen Barbetreiber nach Brandkatastrophe in Crans-Montana

Jacques Moretti mit seiner Frau Jessica vor der Befragung Bild: AFP

Opfer-Anwälte befragen Barbetreiber nach Brandkatastrophe in Crans-Montana

Nach der Brandkatastrophe in einer Bar im Schweizer Ski-Ort Crans-Montana ist der Lokal-Betreiber Jacques Moretti von den Anwälten der Opferangehörigen befragt worden. Moretti solle 'Antworten' liefern, forderten die Anwälte im Vorfeld.

Nach der Brandkatastrophe in einer Bar im Schweizer Ski-Ort Crans-Montana ist der Lokal-Betreiber Jacques Moretti von den Anwälten der Opferangehörigen befragt worden. Moretti kam am Mittwoch Hand in Hand mit seiner Frau Jessica zu der Befragung in Sitten, dem Hauptort des Kantons Wallis, ohne einen Kommentar vor den wartenden Journalisten abzugeben. Gegen das französische Ehepaar wird wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung ermittelt.

In seiner Bar "Le Constellation" hatten in der Silvesternacht 41 zumeist junge Menschen bei einem Brand im Untergeschoss tödliche Verletzungen erlitten, darunter sechs italienische Minderjährige. 115 weitere Menschen erlitten Verletzungen, darunter teilweise sehr schwere. 

"Ich hoffe, dass es Antworten gibt", sagte Opfer-Anwalt Nicolas Mattenberger vor den Journalisten. "Wir hoffen, besser zu verstehen, was passiert ist, und die Verantwortlichkeiten festzustellen." Jessica Moretti soll am Donnerstag befragt werden.

Auch Leila Micheloud, Mutter von zwei bei dem Brand verletzten Töchtern, kam zu der Befragung. "Es ist ein Pfad der Heilung", sagte sie. "Wir warten auf Antworten, die Wahrheit, dass sie die Wahrheit sagen, mehr verlangen wir nicht."

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis hatte am Montag erklärt, die Befragungen am Mittwoch und Donnerstag gäben den Anwälten der Zivilkläger die Gelegenheit, Fragen zu stellen, die sie bislang nicht stellen konnten. 

Die mittlerweile 263 Zivilkläger werden von insgesamt 74 Anwälten vertreten. Der italienische Anwalt Fabrizio Ventimiglia erklärte, er erwarte nicht nur Antworten zu den Sicherheitsvorkehrungen in der Bar, sondern auch zur Zahl der Gäste auf der Party und zum Alkoholausschank an Minderjährige.

Jacques Moretti hatte wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe zwei Wochen in Untersuchungshaft gesessen, bevor er am 23. Januar gegen Zahlung von 200.000 Schweizer Franken Kaution und unter Auflagen freikam.

Die Ermittler vermuten, dass die Brandkatastrophe durch an Flaschen befestigte Feuerwerksfontänen ausgelöst wurde, die der Decke zu nahe kamen. Moretti hatte während einer Vernehmung angegeben, den schalldämpfenden Schaum an der Decke selbst in einem Baumarkt gekauft und installiert zu haben.