Für Tage ohne Sonne und Wind: Zuschläge für elf neue Gaskraftwerke erteilt

Stromleitungen Bild: AFP

Für Tage ohne Sonne und Wind: Zuschläge für elf neue Gaskraftwerke erteilt

Um die Stromversorgung zu sichern, wenn die Sonne nicht scheint und wenig Wind weht, werden in Deutschland in den kommenden Jahren zunächst elf neue Gaskraftwerke entstehen: Das ist das Ergebnis einer ersten Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur.

Um die Stromversorgung zu sichern, wenn die Sonne nicht scheint und wenig Wind weht, werden in Deutschland in den kommenden Jahren zunächst elf neue Gaskraftwerke entstehen: Das ist das Ergebnis einer ersten Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur, wie diese am Dienstag mitteilte. Vier Kraftwerke entstehen demnach in Brandenburg, drei in Nordrhein-Westfalen, zwei in Sachsen und jeweils eins in Bayern und in Baden-Württemberg.

Die Umweltorganisation BUND kritisierte, dass mehrere Zuschläge an alte Braunkohlekraftwerke gingen, die zu Gaskraftwerken umgebaut werden sollen. Sie seien ineffizienter als neue Kraftwerke und damit klimaschädlicher. Auch die Deutsche Umwelthilfe monierte, der Energiekonzern LEAG, der den Zuschlag für sechs Kraftwerke erhielt, lasse sich die Umrüstung von sechs Braunkohlekraftstandorten durch die staatlichen Zuschläge finanzieren.  

Die elf Kraftwerke haben laut Netzagentur eine Leistung von insgesamt knapp 5,2 Gigawatt. Insgesamt sollen neue Anlagen mit einer Leistung von insgesamt knapp zwölf Gigawatt gebaut werden. Sie sollen spätestens 2031 in Betrieb gehen. Weil die Anlagen als Back-up vorgesehen sind und weil sie mit begrenzten Betriebszeiten nicht wirtschaftlich zu betreiben wären, benötigen sie staatliche Förderung. Sie wird ab Inbetriebnahme 15 Jahre lang gezahlt. 

Diese Förderung war für die erste Ausschreibung auf höchstens 244.000 Euro je Megawatt und Jahr festgelegt worden. Im Wettbewerb um einen Zuschlag ergab sich laut Bundeswirtschaftsministerium nun ein Preis von durchschnittlich rund 155.300 Euro je Megawatt und Jahr. "Das ist auch für die Stromkunden wichtig, denn es senkt die Kosten für die Absicherung unserer Stromversorgung", erklärte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Die Deutsche Umwelthilfe mutmaßte, die Umrüstung von Braunkohlekraftwerken auf Gas könnte erklären, warum die Gebote niedriger waren als erwartet. 

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte, die Bundesregierung "kettet unser Land weiter an fossiles Gas". Moderne, saubere und immer günstigere Alternativen wie Stromspeicher seien in der ersten Ausschreibung faktisch ausgeschlossen gewesen. Die Förderung der Kraftwerke koste über 15 Jahre 800 Millionen Euro jährlich. "Bezahlen sollen das die Stromkundinnen und -kunden über eine neue Umlage" ab 2031.

Grundlage für die neuen Gaskraftwerke ist das Gesetz zur Sicherung der Versorgungssicherheit Strom und zur Bereitstellung neuer Kapazitäten (StromVKG). Die EU-Kommission hatte Anfang September ihre beihilferechtliche Genehmigung erteilt. Ab 2045 sollen die neuen Kraftwerke mit Wasserstoff laufen.