Angriffe auf Kühlanlagen von Supermärkten schüren Sorge um Cybersicherheit

Leere Regale in einem Supermarkt von Delhaize in Belgien Bild: AFP

Angriffe auf Kühlanlagen von Supermärkten schüren Sorge um Cybersicherheit

Nach den Cyberangriffen auf Gefrier- und Kühlanlagen von Supermärkten in mehreren europäischen Ländern hat es auch in Deutschland in einzelnen Lebensmittelmärkten Störungen gegeben.

Die Cyberangriffe auf Gefrier- und Kühlanlagen von Supermärkten in zahlreichen europäischen Ländern rufen die Sicherheitsbehörden auf den Plan. In Italien berief die Regierung am Dienstag Krisengespräche mit den Chefs der Nachrichtendienste des Landes ein, während sich auch die EU-Kommission besorgt zeigte und Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) mehr Anstrengungen zum Schutz vernetzter Technik anmahnte. Von den Attacken betroffen sind inzwischen elf Länder - darunter auch Deutschland.

Probleme mit der Kühlung von Lebensmitteln hatte es in den vergangenen Tagen in Supermärkten in Belgien, Estland, Finnland, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal, Rumänien und Schweden gegeben. In Deutschland war unter anderem ein selbstständig geführter Rewe-Markt im münsterländischen Raesfeld betroffen, wie eine Rewe-Sprecherin am Dienstag mitteilte. Dort habe es am Montag eine Beeinträchtigungen der Kühltechnik gegeben, woraufhin die Lebensmittel vorsorglich aus dem Verkauf genommen und entsorgt worden seien. Weitere Märkte der Gruppe seien aktuell nicht betroffen.

Auch in der Westpfalz wurden bei zwei Unternehmen die Kühlanlagen "über einen Fernzugriff so manipuliert, dass sie in der Nacht zum Montag vom Kühl- in den Heizbetrieb wechselten", wie das dortige Polizeipräsidium am Dienstag mitteilte. Die Höhe des entstandenen Schadens lasse sich noch nicht beziffern. Betroffen waren demnach ein lebensmittelverarbeitender Betrieb und ein Supermarkt in den Landkreisen Kaiserslautern und Kusel.

Der Westdeutsche Rundfunk berichtete am Dienstag, dass auch in einem CAP-Supermarkt in Wuppertal das Kühlsystem manipuliert worden sei; der Bayerische Rundfunk berichtete, dass in einer Edeka-Filiale im niederbayerischen Reisbach aufgetaute Ware habe entsorgt werden müssen.

In Italien erklärte eine Regierungssprecherin, dass bei dem Krisentreffen, an dem neben den Spitzen der Nachrichtendienste auch der Leiter der nationalen Cybersicherheitsbehörde teilnehmen sollte, eine "Bestandsaufnahme der Welle von Cyberangriffen" erstellt werden solle. Bereits am Montag hatte EU-Agrarkommissar Christophe Hansen mit Blick auf die Vorfälle von einem bewussten Versuch gesprochen, "unsere Lebensmittelkette zu unterbrechen und das Vertrauen der Verbraucher in sie zu untergraben". Zu den Angriffen bekannt hat sich noch niemand.

EU-Kommissionssprecher Thomas Regnier hob am Dienstag hervor, dass die Vorfälle zeigten, "wie Cyberangriffe grundlegende Dienste stören und den Alltag der Bürger beeinträchtigen können". Es handle sich dabei nicht um Einzelfälle - "und natürlich müssen wir gemeinsam widerstandsfähig sein und auf solche Cybervorfälle vorbereitet sein".

Bundesdigitalminister Wildberger sagte dem Sender Welt TV, dass die Vorfälle zeigten, dass das Thema Cybersicherheit an Bedeutung gewinne. Unternehmen müssten daher - ebenso wie die Verwaltung - "mehr Vorsorge tragen", sagte der Minister und verwies darauf, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bereits Mitte Oktober davor gewarnt hatte, "dass solche Angriffe auf Betriebstechnik möglich sind".

Vor drei Wochen hatte es bereits einen massiven Cyberangriff auf Kühlanlagen von Supermärkten in Frankreich gegeben. Das BSI hatte daraufhin dazu aufgerufen, "aus dem Internet erreichbare Steuerungsanlagen nach dem Stand der Technik abzusichern". Konkret rät die Behörde, den direkten Zugriff aus dem Internet auf Steuerungssysteme zu unterbinden und sogenannte virtuelle private Netzwerke (VPN) und "multifaktorgeschützte Zugriffe" zu nutzen. Zudem sollten die Systeme auf dem aktuellen Stand gehalten und Sicherheitsupdates und Fehlerkorrekturen kurzfristig eingespielt werden.

Der Vorstandschef von Schwarz Digits, Christian Müller, mahnte angesichts der Cyberattacken indes mehr Wachsamkeit vor KI-gestützten Angriffen auf digitale Infrastruktur an. Im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz (KI) "werden die Attacken diffiziler, werden schneller und sie werden auch durchschlagender", erläuterte er bei Welt TV. "Und das ist ein Thema, womit sich jeder beschäftigen muss", fügte er hinzu. Schwarz Digits ist die IT- und Digitalsparte der Schwarz Gruppe, zu der auch Lidl und Kaufland gehören. Die Supermärkte der Gruppe waren laut Müller nicht von den Cyberattacken betroffen.