IWF senkt Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,7 Prozent

Im Atrium des IWF-Gebäudes in Washington Bild: AFP

IWF senkt Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,7 Prozent

Wegen der anhaltenden Folgen des Energiepreisschocks im Iran-Krieg hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für Deutschland erneut nach unten korrigiert.

Gebremstes Wachstum, höhere Preise: Wegen des Energiepreisschocks im Iran-Krieg hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für Deutschland und viele weitere Länder am Mittwoch erneut nach unten korrigiert. Der IWF rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,7 Prozent, 0,1 Punkte weniger als im April prognostiziert. Im kommenden Jahr erwartet der IWF in der Bundesrepublik 1,0 Prozent, ein Abschlag von 0,2 Punkten.

Der in Washington vorgestellte Weltwirtschaftsbericht berücksichtigt noch nicht die jüngsten Spannungen zwischen dem Iran und den USA. US-Präsident Donald Trump hatte die vereinbarte Feuerpause am Rande des Nato-Gipfels für beendet erklärt und neue Angriffe angekündigt. Die Ölpreise schossen daraufhin erneut in die Höhe.

Im Euroraum rechnet der IWF im laufenden Jahr mit einem Wachstum von 0,9 Prozent - 0,2 Prozentpunkte weniger als bisher. Besonders schlecht schneidet Frankreich als zweitgrößte Volkswirtschaft ab: Der IWF korrigierte seine Prognose für das laufende Jahr auf 0,6 Prozent nach unten, ein Minus von 0,3 Punkten.

Die Weltwirtschaft soll demnach in diesem Jahr um 3,0 Prozent wachsen, eine leichte Abwärtskorrektur um 0,1 Prozentpunkte. In dem Bericht heißt es, die Folgen des Energiepreisschocks würden nur teilweise durch eine beschleunigte Technologie-Nachfrage "aufgrund von Fortschritten in der künstlichen Intelligenz (KI) und ihrer Verbreitung ausgeglichen".

Das bekommen auch die Verbraucher zu spüren: Die weltweite Inflation soll in diesem Jahr durchschnittlich 4,7 Prozent erreichen, 0,3 Prozentpunkte mehr als bisher erwartet.

Vor Trumps neuen Drohungen gegen den Iran hatte sich die IWF-Abteilungsleiterin für Wirtschaftsforschung, Deniz Igan, noch optimistisch gezeigt. Sie rechne bis zum kommenden Jahr mit einer Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus, die für Öl- und Flüssiggastransporte wichtig ist, sagte sie.

Nach Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar hatte Teheran die Straße von Hormus de facto für die Schifffahrt geschlossen. Die USA blockierten ihrerseits iranische Häfen. Nach der Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zwischen Washington und Teheran am 17. Juni kam der Schiffsverkehr durch die für den Welthandel wichtige Meerenge allmählich wieder in Gang. 

Trump erklärte zentrale Punkte des Abkommens nun aber für hinfällig und nannte es "Zeitverschwendung", sich mit den Iranern abzugeben. Das Abkommen sieht Verhandlungen über eine endgültige Friedenslösung vor. 

Nach Einschätzung des IWF hat die Weltwirtschaft den Kriegs-Schock bisher besser verkraftet als anfänglich befürchtet. Es gebe aber "eklatante Unterschiede zwischen den Ländern". So sei Asien von den steigenden Treibstoffpreisen besonders betroffen gewesen.

Die USA bekommen die Folgen des von Trump mitausgelösten Krieges dagegen kaum zu spüren. Das BIP der Vereinigten Staaten dürfte laut dem Bericht weiter um 2,3 Prozent wachsen. Auch China als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist demnach bisher relativ unbeschadet. Der IWF rechnet in der Volksrepublik mit einem leicht verbesserten Wachstum von 4,6 Prozent im laufenden Jahr.