Thomas Schneider/mp6. Juli 2017, 12:31 UhrGESUNDHEIT
'Lasst die Kinder ruhig im Dreck spielen, das härtet ab': Das haben sicherlich viele Eltern schon mal als gut gemeinten Rat insbesondere älterer Menschen gehört. Und an der These ist auch tatsächlich was dran, wie Wissenschaftler bestätigen. Eine neue Studie offenbart nun, dass Bauernkinder deutlich seltener Allergien und Asthma entwickeln als andere. Der Grund: Kontakt zu Tieren.
"Lasst die Kinder ruhig im Dreck spielen, das härtet ab": Das haben sicherlich viele Eltern schon mal als gut gemeinten Rat insbesondere älterer Menschen gehört. Und an der These ist auch tatsächlich was dran, wie Wissenschaftler bestätigen. "Eine nicht hoch hygienische Umgebung wirkt positiv auf die Entwicklung des Immunsystems, da dieses lernt, auf an sich harmlose Stoffe nicht zu reagieren, wie dies bei einer Allergie der Fall ist", stellen Immunologen der Universität Zürich heraus.
Eine neue Studie eines Forschungsteams rund um Remo Frei vom Schweizerischen Institut für Allergie- und Asthmaforschung der Universität Zürich, des Center for Allergy Research and Education (CK-CARE) in Davos und des Kinderspitals St. Gallen offenbart nun sogar, dass Bauernkinder deutlich seltener Allergien und Asthma entwickeln als andere. Bei ihnen verläuft die Zunahme der Erkrankungen weniger dramatisch als bei ihren Kameraden, von denen heute im Schnitt rund 30 Prozent eine Allergie entwickeln. Der Grund: Kontakt zu Tieren bzw. Sialinsäure, die in Bauernhof-Tieren vorkommt, die gegen Entzündungen des Lungengewebes wirke. "Der frühkindliche Kontakt zu Tieren und auch der Verzehr von tierischen Nahrungsmitteln scheint die Entzündungsreaktionen des Immunsystems zu regulieren", sagt Immunologe Frei. Dies eröffne vielversprechende Perspektiven für die Allergieprävention.
Eine entscheidende Rolle spielt dabei die sogenannte "N-Glykolylneuraminsäure" (Neu5Gc), ein Stoff, den Menschen nicht selbst produzieren, aber über Tierkontakt oder das Essen von tierischen Lebensmitteln aufnehmen können. Der Vergleich der Neu5Gc-Antikörper-Konzentrationen von mehr als tausend Kindern und dem Vorkommen von Asthma zeige eindeutig: "Bauernkinder wiesen viel mehr Antikörper gegen Neu5Gc im Blut auf - und Kinder mit mehr Antikörpern litten wesentlich seltener an Asthma", so Frei.
Um den Mechanismus zu verstehen, analysierten die Forschenden verschiedene Zellen des Immunsystems, die bei einer entzündlichen Reaktion eine Rolle spielen. Das Ergebnis: Der Kontakt mit Neu5Gc reduziert nicht die Immunglobuline E, also die Antikörper, die bei allergischen Reaktionen verstärkt auftreten, vielmehr wird eine antientzündliche Reaktion des Immunsystems angestoßen. "Unsere Forschungsresultate eröffnen Möglichkeiten, wie der schützende Effekt des Bauernhofs auf alle Kinder übertragen werden könnte", fasst Remo Frei zusammen.