Frühe Störung des Polarwirbels:

Wie kalt wird der Winter? Bild: AFP

Frühe Störung des Polarwirbels: "Einzigartig, aber nicht unbedingt besorgniserregend"

Der Polarwirbel über der Arktis bricht nach Angaben von Meteorologen in diesem Jahr früher ein als jemals zuvor. Der Zeitpunkt Anfang November sei 'sehr früh', hieß es vom britischen Wetterdienst.

Der Polarwirbel über der Arktis schwächt sich nach Angaben von Meteorologen in diesem Jahr früher ab als jemals zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen. Das Tiefdrucksystem habe sich bereits Anfang November abgeschwächt, was "sehr früh" und "außergewöhnlich" sei, sagte der Sprecher des britischen Wetterdienstes Met Office, Grahame Madge, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Möglicherweise hänge das mit dem Klimaphänomen El Niño im Pazifik zusammen.

Die französische Wetterbehörde Météo-France bestätigte, dass Modelle auf eine "massive Störung" des Wirbels hindeuteten. "In Klimarekonstruktionen, die bis in die 1950er-Jahre zurückreichen, ist eine derartige Störung noch nie vor Ende November aufgetreten, was dieses Ereignis beispiellos macht", fügte die Behörde hinzu. 

Der Polarwirbel ist ein ausgedehntes Tiefdrucksystem, bei dem kalte Luft über der Arktis zirkuliert. Während eines El-Niño-Jahres schwächt sich der Wirbel normalerweise gegen Ende des Winters ab, was eisige Ostwinde nach Europa und Nordamerika gelangen lässt. Die Auswirkungen zeigen sich dort aber erst nach Wochen. 

Madge zufolge könnte der frühe Einbruch des Polarwirbels dazu führen, dass diese Winde in diesem Jahr weniger kalt ausfallen, weil die Lufttemperaturen "an Orten wie Sibirien oder über der Arktis noch nicht so niedrig sind, wie sie es im Februar sein werden". "Das ist einzigartig, aber nicht unbedingt besorgniserregend", fügt er hinzu.

Météo-France wollte keine Prognose für den Winter abgeben. Die Auswirkungen des frühen Einbruchs des Polarwirbels seien "ungewiss". "Sie hängen davon ab, wie sich die Störung weiterentwickelt, wie sie sich positioniert und ob sie sich bis in die unteren Schichten der Atmosphäre fortpflanzt oder nicht."

Die Weltmeteorologie-Organisation (WMO) hatte kürzlich gewarnt, der gegenwärtige El Niño könne "eine nie da gewesene Intensität" erreichen. Bei dem natürlich auftretenden Klimaphänomen erwärmt sich die Wasseroberfläche im östlichen und zentralen Pazifik nahe des Äquators, was weltweit Auswirkungen auf Wind, Luftdruck und Niederschläge hat. In der Folge steigt das Risiko für Wetterextreme.