Foodwatch prangert Sonderkonditionen für Getränkehersteller bei Wasserentnahme an
AFP6. November 2026, 08:01 UhrBRENNPUNKTE
Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat Sonderkonditionen bis hin zu Nulltarifen für Getränkehersteller beim Bezug von Wasser angeprangert. Coca-Cola, Refresco oder MEG dürfen Millionen Liter Wasser für nur wenige Cent pro Kubikmeter fördern.
Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat Sonderkonditionen bis hin zu Nulltarifen für Getränkehersteller bei der Wasserentnahme angeprangert: "Fast zwei Drittel der Produktionsstandorte der absatzstärksten Hersteller liegen in Landkreisen mit 'Wasserstress' - dort ist das Grundwasser von Übernutzung bedroht", erklärte Foodwatch am Freitag. Trotzdem dürften Konzerne wie Coca-Cola, MEG oder Refresco, die für große Handelsmarken abfüllen, Millionen Liter Wasser für nur wenige Cent pro Kubikmeter fördern.
Foodwatch hält es insbesondere für problematisch, dass die Konditionen, zu denen Getränkeunternehmen Wasser abpumpen dürfen, oft nicht öffentlich einsehbar sind. Die Organisation habe deshalb mehr als 100 Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz an Behörden gestellt, erklärte sie am Freitag. Doch auch so konnte sie nur für elf von 61 Produktionsstandorten genaue Preise in Erfahrung bringen.
Die Fälle, für die Daten vorliegen, sind meist eindeutig: So zahlt Coca-Cola in Mönchengladbach fünf Cent pro Kubikmeter Grundwasser. "Die Menschen in der Stadt zahlen für einen Kubikmeter Leitungswasser 1,96 Euro - fast 40-mal so viel", erklärte Foodwatch.
Der Mineralwasserhersteller Hassia zahlt für sein Wasser sogar gar nichts - die Bundesländer Hessen und Thüringen erheben kein Entgelt für Wasser aus eigenen Brunnen. Der Verkaufspreis für Mineralwasser des Herstellers im Supermarkt liegt laut Foodwatch bei 1,32 Euro pro Liter. "Die Unternehmen machen ordentlich Profit mit dem Allgemeingut Wasser", resümierte die Organisation.
Zudem glich Foodwatch die 61 Produktionsstandorte der 15 absatzstärksten Getränkeproduzenten mit einer Studie zur Situation des Grundwassers ab. 39 der Produktionsstandorte für Mineralwasser, Limonade oder Energydrinks liegen demnach in Landkreisen, in denen eine Übernutzung des Grundwassers droht.
Angesichts immer häufiger auftretender Wasserknappheiten wegen des Klimawandels fordert Foodwatch gesetzliche Änderungen wie bundesweit einheitliche faire Preise und mehr Transparenz. "Es darf nicht sein, dass Getränkehersteller in trockenen Regionen Wasser abpumpen, um Limo und Co. herzustellen, während Bürger:innen Wasser sparen sollen."