Lars Wallerang/mp8. August 2017, 09:54 UhrGESUNDHEIT
Einen Impfstoff gegen Malaria gibt es noch nicht. Doch Forscher der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sind beim Kampf gegen den gefährlichen Erreger einen Schritt weiter gekommen.
Einen Impfstoff gegen Malaria gibt es noch nicht. Doch Forscher der Heinrich-Heine-Universität (HHU) Düsseldorf sind beim Kampf gegen den gefährlichen, von Mücken übertragbaren Erreger einen Schritt weiter gekommen. Prof. Dr. Thomas Kurz vom HHU-Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie hat mit seinen Mitarbeitern und verschiedenen deutschen und internationalen Kollegen eine neue Verbindungsklasse, die Hydrazonamide, entwickelt und deren Wirksamkeit im Tiermodell erfolgreich gezeigt.
Die Leitstruktur (wichtigster Bestandteil des Wirkstoffs) aus der Klasse der Hydrazonamide ähnelt strukturell dem Chinin, dem ältesten bekannten Malaria-Wirkstoff. Wie der Stoff wirkt und wo im Parasiten er genau ansetzt, ist noch Gegenstand weiterer Forschung. Die neue Leitstruktur befindet sich noch in der Weiterentwicklung. Die lange Dauer zwischen Entdeckung und dem jetzt publizierten Erfolg beim Wirksamkeitstest zeige, wie zeitaufwendig die moderne, interdisziplinäre Wirkstoffforschung ist, teilt das Institut mit.
Bis der Wirkstoff schließlich am Menschen erprobt werden kann, sind weitere präklinische Untersuchungen notwendig. Einer der nächste Schritte wäre es, die Testsubstanz Mäusen zu verabreichen, die mit dem humanpathogenen Erreger infiziert sind, erklärt Tanja Knaab, die an dem Projekt mitarbeitet. Dazu sei jedoch ein spezielles, kostenintensives Mausmodell notwendig.
Der gesetzlich vorgeschriebene Prozess von einem Wirkstoffkandidaten bis hin zum Arzneistoff für Menschen ist extrem teuer und aufwendig. Ein Universitätsinstitut alleine könne sich diesen Aufwand nicht leisten, sagen die Forscher. Es müsse mit Entwicklungszeiten von über zehn Jahren und Kosten von über einer Milliarde Euro gerechnet werden.
Zusätzliches Problem: Die Entwicklung eines neuen Malariamittels ist für Pharmaunternehmen wirtschaftlich uninteressant, da Malaria vornehmlich in wirtschaftlich schwachen Regionen auftritt. Wichtige Arbeit für die Malariawirkstoff-Forschung und -Entwicklung leiste die Non-Profit-Organisation "Medicines for Malaria Venture". Sie habe schon viele medizinisch relevante Erfolge vorweisen können.