Neuer Anlauf für Widerspruchslösung bei Organspende: Lauterbach optimistisch
AFP4. November 2026, 14:16 UhrGESUNDHEIT
Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht im aktuellen erneuten Anlauf für eine Neuregelung der Organspende bessere Chancen als bei der Debatte 2020. Er sei 'optimistischer, dass die Widerspruchslösung diesmal eine Mehrheit findet'.
Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht im aktuellen erneuten Anlauf für eine Neuregelung der Organspende bessere Chancen als bei der Debatte 2020. Er sei "optimistischer, dass die Widerspruchslösung diesmal eine Mehrheit findet", sagte Lauterbach der "Rheinischen Post" (Donnerstagsausgabe). Insbesondere auch bei der Union habe sich "mittlerweile die Vernunft durchgesetzt".
Das Thema stand am Mittwoch auf der Tagesordnung im Gesundheitsausschuss. Es geht um die Einführung der Widerspruchslösung: Diese zielt darauf ab, dass künftig grundsätzlich alle als Organspender in Frage kommen, die dem nicht ausdrücklich widersprechen. Damit soll die Zahl dringend benötigter Organspenden erhöht werden.
Über die erneut in Angriff genommene Reform könnte demnächst final abgestimmt werden. Das könnte ohne Fraktionszwang erfolgen, als Gewissensentscheidung, wie das bei medizinethischen Themen oft der Fall ist. Im Jahr 2020 war die Einführung einer Widerspruchslösung gescheitert, es blieb bei der Zustimmungslösung.
Lauterbach warb nun erneut für die Widerspruchslösung, diese sei ein Gebot der Vernunft. Zu glauben, dass es ohne sie "irgendeine Chance gäbe, ist nicht richtig", sagte er der "Rheinischen Post". Auf der Warteliste gebe es viele Menschen "ohne realistische Perspektive, solange es keine Widerspruchslösung gibt".
Der CSU-Politiker und stellvertretende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Stephan Pilsinger, bezeichnete eine solche Lösung hingegen als "ethisch falsch". Das gelte vor allem für Menschen, "die sich mit dieser schwierigen Frage vielleicht gar nicht auseinandersetzen können", sagte er ebenfalls der "Rheinischen Post". Studien zeigten zudem, dass es bei der Einführung einer Widerspruchsregelung "keine Evidenz für signifikant mehr Organspenden gibt".
Verbessert werden müssten hingegen "die Strukturen im System und die Aufklärung der Bevölkerung", forderte Pilsinger. Die Organspende "soll und muss auch weiterhin eine freiwillige und bewusste Spende bleiben".